Streit um "Pille danach"

Kippt Gröhe um?

Die EU-Arzneiagentur EMA spricht sich für die Rezeptfreiheit von Ulipristal aus. Der Bundesgesundheitsminister hatte stets für ärztliche Beratung votiert. Nun deutet sich ein Sinneswandel an.

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Nur auf Rezept oder in Apotheken frei verkäuflich? Seit einigen Jahren streiten Politiker über die "Pille danach".

Nur auf Rezept oder in Apotheken frei verkäuflich? Seit einigen Jahren streiten Politiker über die "Pille danach".

© Rolf Vennenbernd / dpa

BERLIN. Im Dauerstreit um die Rezeptfreiheit für die "Pille danach" deutet sich ein Kurswechsel von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) an. Grund ist eine Stellungnahme des zuständigen Ausschusses der EU-Arzneimittelagentur EMA.

Das Medikament mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat (ellaOne®) könne "sicher und wirksam" ohne Verschreibung eingesetzt werden, teilte das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) mit. Im nächsten Schritt könnte die Europäische Kommission diese Empfehlung in bindendes Recht umsetzen.

Gesundheitsminister Gröhe reagierte umgehend: Wenn die Beratung künftig "nicht mehr zwingend durch einen Arzt vorgenommen werden muss, ist eine intensive Beratung auch in den Apotheken der richtige Weg", erklärte er.

Damit könnte ein seit Monaten währendes Scharmützel zwischen der Union und den Oppositionsfraktionen im Bundestag ein Ende finden. Ob die Unionsfraktion Gröhe in seinem Schwenk folgt, ist freilich offen.

Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, hatte stets für die ärztliche Beratung und für die Verschreibungspflicht mit den Worten argumentiert, die "Pille danach" sei kein "Smartie".

Bewegt sich die Union nicht, könnte das EU-weit zugelassene Ulipristal künftig rezeptfrei erhältlich sein, wohingegen die "Pille danach" mit dem Wirkstoff Levonorgestrel (PiDaNa®) weiter verschreibungspflichtig wäre. Levonorgestrel ist national zugelassen.

 Entspannung im Bundestag in Sicht

Der Ausschuss für Verschreibungspflicht beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfiehlt bereits seit dem Jahr 2003, den Wirkstoff rezeptfrei zu stellen. Wollen Frauen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Beratung beim Arzt, müssten sie in der Apotheke künftig das rund doppelt so teure Ulipristal kaufen.

Gröhe kündigte an, er wolle im Falle einer Entscheidung der EU-Kommission Frauenärzte, Apotheken und BfArM einladen, "gemeinsam Kriterien für eine qualitativ hochwertige Beratung zu entwickeln".

Vor allem die SPD wäre durch den Schwenk der Union aus einer misslichen Lage befreit: Seit Wochen blockieren die Sozialdemokraten im Gesundheitsausschuss des Bundestags eine Entscheidung für Anträge der Grünen und Linken.

Beide Oppositionsfraktionen fordern die Entlassung von Levonorgestrel aus der Verschreibungspflicht. Das hatte die SPD von der Oppositionsbank auch gefordert, nun muss sie Rücksicht auf ihren Koalitionspartner nehmen.

Die Bundesärztekammer hat sich wiederholt für die Beibehaltung des Status quo ausgesprochen. Ärztepräsident Professor Frank Ulrich Montgomery argumentierte, Sexualaufklärung gehöre in die Hand von Ärzten und nicht etwa in Apotheken.

Die Beratung von Frauen in Notsituationen funktioniere nicht, "indem man eine Pille über den Tresen einer Apotheke schiebt", erklärte Montgomery. (fst)

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