Mecklenburg-Vorpommern

Kliniken im Nordosten fürchten Zahlungsunfähigkeit

Jede zweite Klinik im Nordosten geht davon aus, dass sie ohne Liquiditätshilfen schon bald keine Gehälter mehr zahlen kann. Vom einem Belegungsrückgang um bis zu 20 Prozent ist die Rede.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Viele Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern sehen ihre Liquidität nicht mehr gesichert.

Viele Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern sehen ihre Liquidität nicht mehr gesichert.

© studio v-zwoelf / stock.adobe.com

Schwerin. Die Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern verzeichnen hohe Erlösausfälle und stehen ohne finanzielle Unterstützung nach eigenen Angaben in wenigen Monaten vor der Zahlungsunfähigkeit. Allein für die ersten beiden Monate des Jahres bezifferte die Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (KGMV) den Erlösrückgang ihrer Mitgliedshäuser gegenüber dem Vorjahr auf 30 Millionen Euro.

Nach KGMV-Angaben rechnet die Hälfte der Krankenhäuser im Nordosten damit, dass sie ohne Liquiditätshilfen nur noch drei Monate Löhne und Gehälter zahlen können. 80 Prozent der Häuser gehen davon aus, dass sie ohne finanzielle Unterstützung Personal entlassen müssen.

Inzidenzen liegen unter dem Schwellenwert für Zuschüsse

Betroffen sind neben den somatischen auch die psychiatrischen Krankenhäuser. Abhilfe vom Bund ist derzeit nicht in Sicht, weil die Inzidenzen an den Klinikstandorten unter dem Schwellenwert liegen, ab dem die bundesweiten Hilfsmittel gezahlt werden.

„Für das Jahr 2021 erwarten 90 Prozent der Krankenhäuser in unserem Bundesland einen Belegungsrückgang von mehr als zehn Prozent“, teilte die Landeskrankenhausgesellschaft mit. Rund die Hälfte dieser Häuser prognostizierte sogar einen Belegungsrückgang von über 20 Prozent. Selbst bei einem sofortigen Ende der Pandemie würden die Kliniken nach eigener Einschätzung noch mehr als drei Monate benötigen, bis sie wieder im Routinebetrieb wie vor der Pandemie arbeiten könnten.

Klinikschließungen würden für Patienten weite Wege bedeuten

Die in der Ministerpräsidentenkonferenz kürzlich vereinbarte Lösung eines Ganzjahresausgleichs für die Krankenhäuser im Jahr 2022 hilft nach KGMV-Einschätzung nur, wenn die Kliniken bis dahin genügend Liquidität erhalten. „Noch im Dezember hatte der Bundesgesundheitsminister angekündigt, dass kein Krankenhaus die Löhne und Gehälter wegen der Corona-Pandemie nicht werde zahlen können. So er seinen Kurs nicht ändert, wird diese Situation aber in weniger als drei Monaten eintreten“, warnte die KGMV.

Für Mecklenburg-Vorpommern hätte dies fatale Auswirkungen, weil viele Kliniken an ihren Standorten die einzigen stationären Versorger sind und bei einer Insolvenz extrem weite Wege für die Bevölkerung drohen.

Laut Krankenhausgesellschaft wurden in den beiden ersten Monaten des Jahres 2021 in 29 von 33 in den somatischen Fachgebieten zugelassenen Krankenhäusern Patienten mit einer COVID-19-Symptomatik behandelt, in 24 dieser 29 Häuser auch auf der Intensivstation. Fast immer sei die COVID-19-Erkrankung auch der Grund für den stationären Aufenthalt gewesen.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Anne C. Leber

Leserzuschrift von Thomas Grote

Danke für Ihren Artikel!
Was sollen wir jetzt daraus schließen? Testen bis zum Abwinken, damit die Inzidenzwerte wieder steigen, um neue Mittel abzugreifen?
Oder eher die Bundesregierung mit ihrer alles zerstörenden Politik zur Bekämpfung einer nicht vorhandenen Pandemie endlich zum Teufel jagen, damit jeder wieder normal leben und arbeiten kann?
Und auch Kliniken wieder auskömmlich wirtschaften können?

Thomas Grote,
Plettenberg


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