MRSA in Bremen

Kliniken kritisieren Kassen-Studie

Zu viele MRSA-Fälle in Bremens Kliniken? Eine Studie der Krankenkasse hkk sorgt an der Weser für Furore. Jetzt kritisieren die Kliniken das Papier - und verweisen auf das MRE-Netzwerk.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:
MRSA-Nachweis im Labor: In Bremen gibt es Streit um Infektionszahlen.

MRSA-Nachweis im Labor: In Bremen gibt es Streit um Infektionszahlen.

© ggw / fotolia.com

BREMEN. Bremens Krankenhausgesellschaft hat gegen die Schlussfolgerungen eines hkk-Berichtes zum Infektionsgeschehen mit MRSA in Krankenhäusern der Hansestadt protestiert. Eine Studie hatte in Bremer Kliniken immer mehr MRSA-Infektionen gezählt.

"Es stimmt, dass sich der Anteil der MRE-Infektionen bei allen Klinikpatienten in Bremen zwischen 2007 und 2011 mehr als verdoppelt hat", sagt der Geschäftsführer der Bremer Krankenhausgesellschaft, Uwe Zimmer, zur "Ärzte Zeitung". "Aber man kann deshalb nicht von immer mehr Klinikinfektionen sprechen."

Nach einem für die Krankenkasse hkk erstellten Bericht des Bremer Institutes für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung (BIAG) stieg der Anteil der hkk-Versicherten, die sich in den Kliniken in Bremen und Umland Bremen mit MRSA-Keime infizierten, zwischen 2007 und dem Jahr 2011 von 3,1 Prozent (271 Patienten) auf 6,3 Prozent (619 Patienten).

Zimmer verwies darauf, dass 80 Prozent des verzeichneten Anstiegs auf die beiden Jahre 2009 und 2010 entfallen. "Genau in dieser Zeit haben wir in Bremen das MRSA-Netzwerk gegründet", sagt Zimmer.

Inzwischen seien alle Bremer Krankenhäuser, 80 Pflegeheime und die Rettungsdienste beigetreten. "Wir testen jeden Patienten, der entweder aus der Landwirtschaft kommt, aus einem Pflegeheim oder offene Wunden hat."

Inzidenz oder Prävalenz?

Allein im Jahr 2011 wurden 42000 Nasenabstriche genommen und getestet. Die Prozedur wurde damit bei fünf Prozent aller Patienten vorgenommen.

"Der Anstieg in den Statistiken der hkk ist deshalb nicht darauf zurückzuführen, dass sich mehr Menschen infiziert haben, sondern dass dank des Netzwerkes mehr infizierte Patienten entdeckt wurden", betont Zimmer.

Dr. Bernhard Braun vom BIAG, der die Studie verantwortet, erklärt. "Was Herr Zimmer sagt, ist möglich. Aber die Zahlen geben keine Auskunft darüber, warum die Zahlen sich so entwickelt haben, wie sie sich entwickelt haben."

Ob der Anstieg der MRSA-Zahlen dem Netzwerk zu verdanken ist oder etwa der gestiegenen Inzidenz oder Prävalenz, "das weiß auch Herr Zimmer nicht."

Im Rahmen der Netzwerkarbeit würden die infizierten Bremer Patienten in den Kliniken isoliert und saniert. "Oder sie bekommen ein Kit mit nach Hause oder ins Pflegeheim, mit dem sie sich selbst sanieren können", sagt Zimmer.

"Wahrscheinlich ist also, dass die Zahl der MRSA-Infektionen in Bremer Krankenhäusern eher abnimmt."

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