Familienministerium startet Miniserie

Knatsch um neue Pflegekampagne „Ehrenpflegas“

Mit der Webserie „Ehrenpflegas“ will Familienministerin Franziska Giffey Jugendliche für die Pflege begeistern. Für die Produktion holte man sich die Macher von „Fack ju Göthe“. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe spricht von klischeehafter und schädlicher Darstellung des Berufszweigs.

Veröffentlicht: 13.10.2020, 16:39 Uhr
Danilo Kamperidis als Boris in einer Szene der Miniserie „Ehrenpflegas. Damit wirbt das Bundesfamilienministerium für eine Ausbildung in der Pflege.

Danilo Kamperidis als Boris in einer Szene der Miniserie „Ehrenpflegas. Damit wirbt das Bundesfamilienministerium für eine Ausbildung in der Pflege.

© Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen / dpa

Berlin. Pflegeverbände haben verärgert auf eine neue Kampagne des Bundesfamilienministeriums reagiert. Die in der Miniserie „Ehrenpflegas“ dargestellten Berufsanforderungen verletzten Selbstverständnis, Ethos und Fachlichkeit der Profession, erklärte der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) am Dienstag per Pressemitteilung.

„Anspruchsvolles Handlungsfeld“

Der Verband distanziere sich daher „ausdrücklich“ von der bereits in den ersten Sekunden erzeugten Aussage der Serie, „bei den Pflegefachberufen handele es sich um ein Auffangbecken für alle Personen, denen an anderer Stelle keine Perspektive eröffnet wird“. Pflege sei ein anspruchsvolles Handlungsfeld, für das es Kompetenzen und Fähigkeiten brauche. „Niemand stolpert zufällig in eine Pflegeausbildung.“

Die Anforderungen in der Pflege seien „realistisch“ darzustellen und dürften nicht klischeehaft überzeichnet werden, wie dies bei „Ehrenpflegas“ der Fall sei. Damit verprelle man diejenigen, die in diesem Beruf tätig seien, kritisierte der DBfK.

„Ich gehe 1. Klasse Pflegeschule“

Die fünfteilige Serie „Ehrenpflegas“ erzählt die Geschichte dreier Jugendlicher, die die generalistische Pflegeausbildung starten. Einer der Protagonisten stellt sich dabei so vor: „Mein Name ist Boris und ich gehe 1. Klasse – 1. Klasse Pflegeschule.“

Ehrenpflegas - Die neue Miniserie

Die Filme sollen laut Familienministerium digital in „zielgruppenrelevanten Kanälen“ beworben und auf dem YouTube-Kanal des Ministeriums ausgespielt werden. Die Serie ist Teil der Kampagne „Mach Karriere als Mensch!“

Ansprache über soziale Kanäle

Das Familienministerium hatte anlässlich der Vorstellung von „Ehrenpflegas“ betont, man wolle auf „unkonventionelle und unterhaltsame Weise“ über den Pflegeberuf und die neue Pflegeausbildung informieren. Ziel sei es, Jugendliche in deren „Lebenswelt“ abzuholen und dort zu erreichen, wo sich junge Menschen Informationen holten: in sozialen Netzwerken.

Angesprochen werden sollten aber auch Menschen, die sich beruflich neu orientieren wollten, so das Ministerium. (hom)

Korrekturhinweis: In einer früheren Fassung des Textes hieß es, die Produzenten von „Fack ju Göthe“ hätten die Serie „Ehrenpflegas“ produziert. Das ist nicht korrekt. Sie wurde von Constantin Entertainment produziert, einer Tochterfirma der Constantin Film AG, die wiederum hinter „Fack ju Göthe“ steht.

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Kommentare
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Ulrike Messerschmied

Die Familienministerin hätte es durchaus besser wissen u. besser machen können: Dass sich - nach der Affäre um die Steuerhinterziehung ihres verbeamteten Ehemannes, von der sie nichts gewusst haben will, u. den ihr nachgewiesenen 25 Plagiaten in ihrer Doktorarbeit, für die sie von offizieller Stelle gerügt wurde, - nunmehr auch die Pflege mit einem derart fragwürdigen Machwerk von ihr verschaukelt fühlt, passt jedoch ins schwache Bild, dass Giffey seit geraumer Zeit als Ministerin abgibt. Ihre Amtskolleginnen u. -kollegen im Gesundheits-, Arbeits-, Bildungs- und Finanzministerium müssten ob dieser jämmerlichen Diskreditierung des gesamten Berufsbildes auf Staatskosten eigentlich im Dreieck springen. Das Glaubwürdigkeitsproblem politischer Entscheider, die noch vor zwei Jahren so etwas wie ernsthafte Hoffnungen auf Besserung bei den Pflegekräften des Landes schürten, ist jedenfalls durch Giffeys unsägliche Kampagne nicht kleiner geworden.


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