Krankenkassen

Krebsmedikamente zu günstig an Ärzte verkauft?

LÜBECK (cben). Zwei Beratungsapotheker der AOK NordWest stehen vor dem Lübecker Landgericht. Der Vorwurf: Sie sollen die Apotheker der Lübecker Merkur-Apotheke zwischen 2004 und 2006 dazu aufgefordert haben, niedergelassenen Ärzten Krebsmedikamente zu den niedrigeren Klinikpreisen zu verkaufen.

Veröffentlicht:

Die Merkur-Apotheke war als Krankenhausapotheke zugelassen und konnte deshalb die preisgünstigeren Medikamente beziehen. Laut Staatsanwaltschaft soll zehn Arzneimittelherstellern dabei ein Schaden von insgesamt mehr als 500.000 Euro entstanden sein.

Die AOK wies die Vorwürfe am 27. April zurück.

Die beiden Apotheker der Merkur-Apotheke sind bereits wegen Betruges zulasten pharmazeutischer Betriebe verurteilt worden. Einer der Verurteilten hatte erklärt, zwei Beratungsapotheker der früheren AOK Schleswig-Holstein (heute AOK NordWest) seien an den Straftaten beteiligt gewesen, teilte die AOK NordWest mit.

"Staatsanwaltschaft hat sich Behauptung zu eigen gemacht"

"Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat sich diese Behauptung zu eigen gemacht und die beschuldigten Beratungsapotheker angeklagt", beschwert sich die Kasse. "Der Vorstand der AOK NordWest ist davon überzeugt, dass die AOK-Beratungsapotheker unschuldig sind.

Eine interne Prüfung hat keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten ergeben. Außerdem erkennen wir keinerlei unrechtmäßige Bereicherung der AOK NordWest durch das Handeln unserer Angestellten."

"Kompliziertes Preissystem für Medikamente"

Laut dpa rechtfertigten sich die Beschuldigten vor Gericht mit dem Hinweis auf das komplizierte Preissystem für Medikamente, das in Deutschland gelte. Von Betrug durch Dritte hätten sie nichts gewusst. Eine persönliche Bereicherung hat ihnen die Staatsanwaltschaft indessen nicht vorgeworfen.

Der Prozess steht im Zusammenhang mit einem größeren Verfahren gegen weitere Beschuldigte und einem Schaden von 2,5 Millionen Euro. Auch zwei Gefängnisse, Dialysezentren und ein Schleswig-Holsteiner Praxisnetz mit rund 400 Ärzten sollen im Zuge eines Betrugs billigere Medikamente erhalten haben.

Der Prozess gegen die beiden Beratungsapotheker soll am 9. Mai fortgesetzt werden.

Mehr zum Thema

BKK Dachverband

Prävention soll vernetzter und digitaler werden

Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Peter Peschel

Unglaublich - Betrug neu definiert

Die Kassen sind die Betrogenen wenn diese als Großabnehmer mehr bezahlen müssen als die Krankenhäuser denn die Herstellungskosten haben sich für die Pharmaunternehemen nicht geändert.
Die Vertriebskosten sind für diese Produkte sogar niedriger da Kassenangestellte und Apotheker meistens nicht zu Kongressen 1.Klasse eingeladen werden , zu Lasten der Pharma Konzerne als Kostenfaktor. Steuerlich tägt das ganze die Allgemeinheit (Betriebsausgabe) und die Versichertengemeinschaft als Kostenfaktor durch höhere Preise.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft müsste also umgekehrt laufen, aber welche Perversion wer so denkt---oder ?


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Viele COVID-19-Patienten berichten nach ihrer Genesung von weiterhin bestehendem „Nebel im Hirn“ (Brain Fog).

Langzeitfolgen von COVID-19

Rätsel um Ursache von Long-COVID gelüftet?

Verteidigte die Änderungen im Infektionsschutzgesetz, die Kanzlerin hört zu: Unionsfraktions-Chef Ralph Brinkhaus (CDU) bei der abschließenden Debatte über das Gesetz am Mittwoch.

Infektionsschutzgesetz

Bundestag beschließt umstrittene Corona-Notbremse