Notfallversorgung

NRW kurz vor Einigung bei Portalpraxen

Politik, Kammern und KVen arbeiten an einer Vereinbarung, nach der bis Ende 2022 flächendeckend Portalpraxen kommen sollen.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

DÜSSELDORF. In Nordrhein-Westfalen soll ein Konsenspapier zur Einführung von Portalpraxen an Krankenhäusern verabschiedet werden.

Die Landesregierung halte eine bessere Steuerung der ambulanten Notfallversorgung für notwendig, sagte Helmut Watzlawik, Leiter der Abteilung Gesundheit im nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium, beim Medica Econ Forum der Techniker Krankenkasse in Düsseldorf.

Der ambulante und der stationäre Sektor müssten in dieser Frage besser zusammenarbeiten. „Wir sind kurz davor, eine Vereinbarung zu unterzeichnen“, kündigte Watzlawik an. Beteiligt sind neben dem Ministerium die Kassenärztlichen Vereinigungen, die Landeskrankenhausgesellschaft, die Ärzte- und Apothekerkammern und die Krankenkassen. Ziel ist es, bis Ende 2022 flächendeckend Portalpraxen einzuführen.

Bei der Vereinbarung allein wird es aber nicht bleiben können. „Wenn man die Strukturen verändert, muss man auch die Finanzierung verändern“, betonte er.

Die Akteure müssten gemeinsam nach einer Lösung suchen. Künftig könnten auch Gelder aus dem Krankenhausstrukturfonds für die Notfallversorgung verwendet werden, sagte Watzlawik. „Wir werden das gemeinsam mit den Krankenkassen entscheiden müssen.“

Nordmann: Mauer einreißen!

Der Vorsitzende der KV Westfalen-Lippe (KVWL), Dr. Gerhard Nordmann, verwies darauf, dass die KVWL bereits in Eigenregie die Strukturen verbessert und in Zusammenarbeit mit Krankenhausträgern 22 Portalpraxen mit gemeinsamem Tresen und Triage-System geschaffen habe. „Man muss die Dinge im regionalen Bereich aufbauen können.“

Nordmann warb erneut für eine dritte Säule für die Finanzierung der ambulanten Notfallversorgung neben ambulanter und stationärer Vergütung.

Daraus könnte man die Leistungen der Krankenhäuser in diesem Versorgungsbereich sachgerecht finanzieren. „Dann hätten wir endlich mal eine Sektorengrenze überschritten und eine Mauer eingerissen.“

Leider sei die Kassenärztliche Bundesvereinigung gegen solch eine Lösung. Die Verwendung von Mitteln aus dem Strukturfonds für die Notfallversorgung sieht er als richtigen Schritt.

„Wir werben dafür, dass sich die Partner in der Region zusammensetzen“, sagte Matthias Blum, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft NRW. Für ihn sind Portalpraxen eine mögliche Lösung zur Verbesserung der Situation. Sie könnten die Probleme nicht vollständig lösen.

Suche nach regional passenden Lösungen

Nur eine bestimmte Zahl von Kliniken würde eine solche Anlaufstelle bekommen. Die Patienten würden aber auch die anderen Häuser weiterhin aufsuchen, prognostizierte Blum.

„Ein perfektes System werden wir nie bekommen“, ist Dirk Ruiss überzeugt, Leiter des Ersatzkassenverbands vdek in NRW. Klar ist für ihn, dass jedes System eine Fallsteuerung benötigt. Auch Ruiss plädierte für die Suche nach regional passenden Lösungen.

Für die Ersatzkassen stehen Portalpraxen oben auf der Liste, aber auch eine gemeinsame Rufnummer für den Rettungsdienst und den KV-Notfalldienst oder telemedizinische Ansätze wie der Telenotarzt könnten sinnvoll sein.

Dabei sei in Nordrhein-Westfalen schon einiges erreicht worden. „Ich glaube, dass wir in Nordrhein-Westfalen sehr weit sind, weiter als andere Bundesländer“, sagte er.

Zielführend nur mit ausreichender Finanzierung

Bei allen theoretischen Konzepten dürfe man die Patienten nicht aus dem Blick verlieren, warnte Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag.

Es helfe nicht, die Menschen für die Fehlinanspruchnahme der Notfallversorgung zu beschimpfen oder sie mit Eintrittsgebühren zu belegen.

Fest steht für Klein-Schmeink, dass der Weg in Richtung sektorübergreifender Notfallversorgung nur mit einer ausreichenden Finanzierung zum Ziel führen kann.

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