Gesundheitsversorgung

NRW will Menschen mit Behinderung Zugang erleichtern

Die Landesgesundheitskonferenz in Nordrhein-Westfalen hat einen umfangreichen Maßnahmenkatalog beschlossen, um Hürden im Gesundheitswesen für Menschen mit Behinderung abzubauen. Bisher werden Betroffene etwa unzureichend informiert oder Krankheitssymptome werden falsch interpretiert.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Die Wege durch das Gesundheitssystem sind für Menschen mit Behinderung oft verschlungen und mühsam.

Die Wege durch das Gesundheitssystem sind für Menschen mit Behinderung oft verschlungen und mühsam.

© Gina Sanders / fotolia.com

KÖLN. In Nordrhein-Westfalen wollen niedergelassene Ärzte und Kliniken gemeinsam mit den weiteren Akteuren im Gesundheitswesen verstärkt die besonderen Belange von Menschen mit Behinderung in den Blick nehmen.

Basis ist ein umfangreicher Maßnahmenkatalog zur besseren gesundheitlichen Versorgung dieser Patientengruppe, den die jüngste Landesgesundheitskonferenz verabschiedet hat.

Die Maßnahmen, auf die sich die Teilnehmer der Landesgesundheitskonferenz verständigt haben, sollen nach Angaben von Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) dazu beitragen, dass das Gesundheitswesen wahrhaft inklusiv wird: "Das heißt für uns, einen gleichberechtigten Zugang von Menschen mit und ohne Behinderung zum Gesundheitswesen herzustellen."

Die gesundheitliche Versorgung sei in vielen Bereichen noch nicht ausreichend auf die besondere Situation, den Bedarf und die - nicht zuletzt durch das Geschlecht und den kulturellen Hintergrund geprägten - Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen ausgerichtet, heißt es in der Entschließung.

Das könne unterschiedliche Konsequenzen haben. "Das Spektrum möglicher Probleme reicht von Zugangshürden bei Präventionsmaßnahmen über die unzureichende Kommunikation in Entscheidungssituationen bis hin zur fehlerhaften Interpretation und diagnostischen Einordnung von Krankheitssymptomen."

Sechs Schwerpunkte

Die auf den Weg gebrachten Umsetzungsempfehlungen haben sechs Schwerpunkte:

- Sicherstellung eines gleichberechtigten wohnortnahen Zugangs

- Schaffung verlässlicher, bedarfs- und bedürfnisgerechter Strukturen

- Nutzerorientierung, Selbstbestimmung und Partizipation fördern

- Beseitigung von Schnittstellenproblemen

- Qualifizierung für einen vorurteilsfreien und gleichberechtigten Umgang

- Ausbau von Gesundheitsförderung und Prävention

Spezielle Versorgungskonzepte sollen entwickelt werden

Zu den verabredeten Maßnahmen gehören neben dem Abbau von Zugangsbarrieren die Entwicklung von speziellen Versorgungskonzepten, die bessere Koordination sektor- oder kostenträgerübergreifender Leistungen und die Stärkung von Problembewusstsein und individuellen Kompetenzen.

"Wenn in unserem Gesundheitssystem der Mensch im Mittelpunkt stehen soll, dann muss das selbstverständlich auch für den behinderten Menschen mit seiner spezifischen Situation gelten", betonte Ministerin Steffens.

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag unter anderem festgelegt, dass für Erwachsene mit geistiger Behinderung und schweren Mehrfachbehinderungen medizinische Behandlungszentren analog zu den sozialpädiatrischen Zentren geschaffen werden sollen.

Mehr zum Thema

Kommentar zur Digitalisierung

Kehrtwende, jetzt!

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Einwilligungserklärungen zur Schutzimpfung gegen COVID-19 liegen auf einem Tisch

© Christian Charisius/dpa

COVID-19-Pandemie

Lauterbach will schnelle Corona-Impfpflicht – Ärzte sind uneins

Die bisherigen Ampullen des Corona-Impfstoffs Comirnaty® von Biontech/Pfizer sind auch an dem violetten Deckel zu erkennen. Die Neuformulierung des Impfstoffs soll einen grauen Deckel bekommen.

© Thibaut Durand / Hans Lucas / picture alliance

Corona-Impfstoff

BioNTech jetzt auch als Fertiglösung

Corona-Impfung: In Placebo-kontrollierten Studien hatten nach der ersten Dosis einer Coronavakzine 46,3 Prozent mindestens eine systemische Nebenwirkung angegeben, nach der ersten Placebodosis waren es immerhin 35,2 Prozent.

© Marina Demidiuk / stock.adobe.com

SARS-CoV-2 und Vakzinen

Systemische Nebenwirkungen nach Coronaimpfung oft Noceboeffekte