Kooperation mit Universität Mainz

Neuer Versorgungsvertrag der TK: Liquid Biopsy spürt Keime auf

Von einer neuen Methode, mit der mehr Erreger im Blut schneller identifiziert werden können, sollen Patienten mit Sepsis profitieren. Die TK Rheinland-Pfalz hat dazu einen Versorgungsvertrag mit der Universitätsklinik Mainz geschlossen. Die TK glaubt, dass das Projekt bundesweit interessant ist.

Von Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht: 14.05.2020, 15:49 Uhr
Neuer Versorgungsvertrag der TK: Liquid Biopsy spürt Keime auf

Innerhalb kurzer Zeit werden die Blutproben auf über 1500 Erreger untersucht.

© Noscendo GmbH

Mainz. Die Techniker Krankenkasse startet einen neuen Versorgungsvertrag, bei dem moderne Gensequenzierungsverfahren genutzt werden, um Blut innerhalb eines Tages auf über 1500 Erreger zu untersuchen. Unter anderem könnten Sepsis-Patienten stark profitieren.

Die als „Liquid Biopsy“ bezeichnete Gendiagnostik auf Basis einer Blutprobe mithilfe von genetischer Hochdurchsatzsequenzierung wird bisher vor allem bei Krebspatienten erprobt. Dort soll das Verfahren die Früherkennung und die personalisierte Langzeittherapie voranbringen. Der Versorgungsvertrag, den die Techniker Krankenkasse jetzt mit der Universitätsmedizin Mainz abgeschlossen hat, zielt auf ein etwas anderes Einsatzgebiet des „Next Generation Sequencing“, nämlich die Erregerdiagnostik in infektiologischen Risikokonstellationen.

Diagnostische Aussagekraft besser

„Mit dem Verfahren können acht Milliliter Blut innerhalb von 24 Stunden auf 1500 verschiedene Erreger hin untersucht werden“, betonte Dr. Philip Stevens, Geschäftsführer der Noscendo GmbH, die das innovative Verfahren anbietet. Die Methode erkennt bakterielle und virale Genome sowie Gene beziehungsweise Genbestandteile von Pilzen und Parasiten. Ein Maschinenlernalgorithmus wertet die gewonnen Informationen aus, um klinisch nicht relevante genetische Informationen auszusortieren. Hinterlegt mit diesem Algorithmus werde eine deutlich bessere diagnostische Aussagekraft erreicht als bei klinischen Routineverfahren, sagte Jörn Simon, Leiter der TK Landesvertretung Rheinland Pfalz.

Zu den Vorteilen des Verfahrens im Vergleich zu bakteriellen Blutkulturen zählt neben der höheren Geschwindigkeit eine wesentlich höhere Sensitivität. Es liefere insbesondere auch bei antibiotisch vorbehandelten Patienten noch Ergebnisse, sagte Dr. Daniel Teschner von der III. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mainz. Im Vergleich zur Polymerasekettenreaktion (PCR) auf Virusgenome sieht Teschner den Hauptvorteil darin, dass sämtliche Erregerklassen parallel untersucht werden: „Viren, die wir nicht erwarten, finden wir mit der PCR nicht.“

Reduziert Gefahr von Resistenzen

Aus Sicht der Patientinnen und Patienten liegen die potenziellen Vorteile einer frühen, umfassenden Erregerdiagnostik auf der Hand. Antimikrobielle Therapien könnten gezielter eingesetzt werden, was die Gefahr von Resistenzen reduziert. Es ist auch denkbar, dass Erreger gefunden werden, auf die die Ärzte vielleicht gar nicht oder nicht so schnell gekommen wären. Noscendo-Manager Dr. Peter Haug berichtete über einen Patienten, der mehrere Monate im Krankenhaus war und bei dem die Liquid Biopsy schließlich eine eher ungewöhnliche Kombination aus viralem Infekt und Pilzinfektion zeigte. Nach dann gezielter Therapie konnte er rasch nach Hause entlassen werden.

Projekt mit bundesweiter Perspektive

Es sind solche Verläufe, die die TK hoffen lassen, dass sich im Rahmen des Versorgungsvertrags auch Geld einsparen lassen könnte. Das soll die Evaluation zeigen. Eine reine „Privatveranstaltung“ von TK Rheinland-Pfalz und Universitätsmedizin Mainz soll der Vertrag jedenfalls nicht bleiben: „Das Projekt hat bundesweite Perspektiven. Es laufen Gespräche mit sieben weiteren Universitätskliniken“, so Simon. Auch andere Krankenkassen könnten beitreten.

Vorerst werden aber nur TK-Versicherte am Uniklinikum Mainz in den Vertrag eingeschrieben, und zwar in der Hämatologie/Onkologie. Dort sind vor allem wegen der Knochenmarkstransplantationen sehr viele Risikopatienten. Die Hoffnung ist, dass sich der klinische Nutzen dort besonders gut nachweisen lässt. Coronaviren findet das Verfahren übrigens nicht. Das liegt daran, dass bisher ausschließlich DNA nachgewiesen wird. Das Coronavirus ist ein RNA-Virus.

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