Arzneimittelpolitik

"Nur 50 Euro für Problempatienten"

Veröffentlicht: 07.11.2008, 05:00 Uhr

Dr. Knud Gastmeier

Für den Postdamer Anästhesisten Dr. Knud Gastmeier ist der Umgang mit seinem Arzneimittelbudget ein ständiger Drahtseilakt. Durchschnittlich stehe ihm pro Patient ein Budget von 50 Euro pro Quartal zur Verfügung, sagte er. Damit sei es aber nicht möglich, "Problempatienten" adäquat mit Medikamenten zu versorgen. Nur der Umstand, dass er bestimmte Opiate als Praxisbesonderheit aus dem Budget herausrechnen könne, trage dazu bei, dass er die Situation unter Kontrolle halten könne und ihm die Kosten nicht "vor die Füße fallen".

Am Beispiel des Cannabinoids Dronabinol schilderte Gastmeier die Folgen von Innovationshürden. In Deutschland besitzt es keine GKV-Zulassung, weil nach Ansicht des Gemeinsamen Bundesausschuss Studien fehlen, die die Wirkung von Dronabinol zweifelsfrei belegen (wir berichteten). Für eine geringe Zahl von sterbenden Patienten sei Dronabinol aber das Mittel der Wahl, um ihre Leiden zu lindern, so Gastmeier. Bereits wenige Tage nach der Einnahme zeigten diese wieder Appetit und könnten selbstständig essen und trinken. Zwar könne er das Leben dieser Patienten nicht verlängern, "aber sie stehen auf, sie liegen nicht im Bett." Patienten, die das Mittel nicht erhielten, müssten hingegen mit PEG und aufwendigen Infusionstherapien versorgt werden.

Lesen Sie dazu auch: Wie viele Fesseln erträgt die ärztliche Therapiefreiheit? Ärzte fürchten um Qualität der Versorgung in der GKV Innovationen und IGeL verbessern die Versorgung von Kassenpatienten "Koalition hat Arbeit der Ärzte erleichtert" "Krankheiten mit und ohne Lobby" "GKV muss sinnvolle Therapien bezahlen" "Druck macht Ärzten das Leben sauer"

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