Typ-1-Diabetes

Oft hapert es bei der Insulintherapie im Pflegeheim

Viele Jahre haben sie ihre Insulintherapie gut selbst organisiert, jetzt müssen sie ins Heim: Typ-1-Diabetiker brauchen dazu geschulte Pflegende und geeignete Technik, betonen Geriater.

Von Wolfgang Geissel Veröffentlicht: 03.01.2020, 15:11 Uhr
Oft hapert es bei der Insulintherapie im Pflegeheim

Blutzucker im Zielbereich: Zum Messen müssen sich ältere Patienten eine gute Feinmotorik bewahrt haben.

© Proxima Studio / stock.adobe.com

Ostfildern. Die Bedingungen für Typ-1-Diabetiker sind in vielen Pflegeheimen nicht ideal. 100 000 Betroffene sind nach Schätzungen in Deutschland bereits in stationärer Pflege und es werden immer mehr.

Sie treffen dabei häufig auf Personal ohne Diabeteskenntnisse. Und wachsende Defizite in Kognition und Feinmotorik erschweren eine autonome Insulintherapie in zunehmendem Maße.

Kein Wunder, dass viele Typ-1-Diabetiker sich vor dem Alter fürchten, wie die Privatdozenten Dr. Rom Andrej Zeyfang von der medius Klinik Ostfildern-Ruit und Dr. Anke Bahrmann vom Uniklinikum Heidelberg im „Gesundheitsbericht Diabetes 2020“ schildern.

Sie zitieren dort eine Umfrage mit 238 Typ-1-Diabetikern aus Selbsthilfegruppen: Nur jeder zehnte sieht demnach eine Deeskalation seiner aktuellen Therapie als sinnvoll an. Und die meisten wünschen sich, bei Pflegebedürftigkeit nicht im Heim, sondern von der Familie, einer persönlichen Pflegekraft oder in einer Typ-1-WG versorgt zu werden.

Gute Betreuung nur in wenigen Heimen

Das ist eine durchaus realistische Einschätzung der Situation. Eine gute Betreuung ist nämlich nur in wenigen Heimen gewährleistet. Das Ausmaß der Defizite erläutern die Geriater in einem Beispiel: „Viele Pflegende wissen nicht um die Unterschiede zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes, Insulininjektionen werden aus Angst vor Unterzuckerungen deshalb auch bei Typ-1-Diabetes gelegentlich einmal weggelassen“.

Zeyfang und Bahrmann schärfen daher betreuenden Ärzten ein, sich über die Bedingungen für Typ-1-Patienten im Heim sowie über die Fertigkeiten ihres Patienten genau zu informieren.

Mit geschulten Pflegekräften lassen sich nämlich auch komplexe Insulinregimes weiterführen. So könne etwa bei essgestörten Patienten oft sehr lange eine intensivierte Insulintherapie beibehalten werden.

Es ist aber sicherzustellen, dass die Pflegenden präprandiale Messungen und die auf die Essensmenge abgestimmte Insulinapplikationen nach Ende der Mahlzeit auch verstanden haben und korrekt umsetzen können.

Pumpentherapie bis ins hohe Alter

Bei guter Betreuung sei auch eine Insulinpumpentherapie bis ins hohe Alter möglich. Dazu muss ein Patient aber noch eine gute Feinmotorik haben sowie „intakte visuelle, auditive und kognitive Fähigkeiten“. Die Geriater appellieren an die Industrie, die Funktionalität und das Design der Geräte künftig auch altersgerecht zu gestalten.

Sie geben dabei zu bedenken: Eine Deeskalation der Pumpentherapie zu einer Injektionstherapie sehen die Patienten meist als Rückschritt an, „der mit großen Ängsten für mögliche Folgen verbunden ist“.

Kernpunkt einer guten Betreuung im Heim ist in jedem Fall das spezifisch geschulte Personal: Die Geriater begrüßen daher die Möglichkeiten einer Weiterbildung zur Diabetespflegefachkraft DDG. Damit lasse sich die Versorgung alter Menschen mit Typ-1-Diabetes in der ambulanten und der stationären Pflege deutlich verbessern.

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