PKV will mehr Einfluss bei Arzneipreisen

KÖLN (iss). Die privaten Krankenversicherer (PKV) lassen nicht locker. Sie fordern von der Politik einen stabilen Rahmen für Verhandlungen mit der Pharmaindustrie. "Es ist nicht einzusehen, warum Privatversicherte für Arzneimittel deutlich höhere Preise bezahlen müssen", sagte PKV-Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach der "Ärzte Zeitung".

Veröffentlicht:

Die Ausgaben im Arzneimittelbereich steigen in der PKV deutlich stärker als in der GKV. Kostendämpfungsinstrumente wie der sechsprozentige Herstellerrabatt greifen bei den Privaten nicht. "Wenn der Herstellerrabatt auf 16 Prozent steigt, wird die Diskrepanz noch größer", so Leienbach. Der Apothekenabschlag führe dazu, dass Privatversicherte pro Arzneimittelpackung 2,30 Euro mehr bezahlen müssen als Kassenpatienten. Das sei nur schwer zu begründen. "Die Privatpatienten sind die einzigen, die ihre Medikamente in der Apotheke bar bezahlen."

Zwar gebe es auf freiwilliger Basis einzelne Rabattverträge zwischen Pharma-Herstellern und Versicherern, ihr Volumen sei aber im Vergleich zu denen in der GKV nur sehr bescheiden. "Das liegt nicht an unserem Verhandlungsgeschick, sondern daran, dass wir nichts in der Hand haben", sagte der Verbandsdirektor. Das müsse sich endlich ändern.

Die PKV möchte, dass ihr Verhandlungsmandat und ein Einigungszwang im Arzneimittelgesetz festgeschrieben werden. Dafür gebe es aus Reihen der Regierungskoalition Zustimmung, betonte Leienbach. Auch die Beihilfeträger hätten Interesse daran, dass die PKV die Kostenentwicklung in den Griff bekommt.

Mit ihren Forderungen will die Branche verstärkt in die Öffentlichkeit gehen. Gleichzeitig suche sie das Gespräch mit der Pharmaindustrie, sagt er. Die nächste Gelegenheit, ihre Position darzustellen, haben die PKV-Vertreter am 19. Mai bei der Anhörung zum GKV-Änderungsgesetz im Bundesgesundheitsausschuss.

Die ungleichen Arzneimittelpreise unterstreichen für Leienbach auch den Handlungsbedarf in einem weiteren Feld: Nach Paragraf 192, Absatz 2 Versicherungsvertragsgesetz müssen die PKV-Unternehmen nur dann nicht bezahlen, wenn die Kosten in einem "auffälligen Missverhältnis" zu den erbrachten Leistungen stehen. "Das heißt ja im Klartext, dass wir bei einem Missverhältnis zahlen müssen", kritisiert Leienbach. Die PKV werde weiter gegen diese Regelung vorgehen, kündigt er an.

Mehr zum Thema

Seltene Erkrankungen

G-BA hat Zusatznutzen von fünf Orphan Drugs geprüft

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leitartikel

GVSG: Zu viele Leerstellen

Verbesserung der Leistungsfähigkeit

Betablockerverzicht bei HFpEF unterschiedlich erfolgversprechend

Vor Europawahl am 9. Juni

23 Ärztinnen und Ärzte sind Abgeordnete im EU-Parlament

Lesetipps
Prinzipiell folge aus REDUCE-AMI, so Prof. Dr. Michael Böhm, dass bei Infarktpatienten mit erhaltener Pumpfunktion keine Betablocker mehr gegeben werden müssten. Das gelte, sofern es keinen anderen Grund für Betablocker gebe, konkret tachykardes Vorhofflimmern oder anhaltende Angina.

© shidlovski / stock.adobe.com

Nach der REDUCE-AMI-Studie

Bye-bye für Betablocker nach Herzinfarkt?

Viele Menschen sind adipös. Die Kombination aus Intervallfasten plus Protein-Pacing kann anscheinend neben einer Gewichtsabnahme auch zu einem gesünderen Mikrobiom verhelfen.

© Aunging / stock.adobe.com

Verändertes Mikrobiom

Intervallfasten plus Protein-Pacing lassen die Pfunde purzeln