Direkt zum Inhaltsbereich

Vor Beratung im G-BA

Niedersächsische Kliniken fordern: Existenzbedrohende Strafzahlungen in PPP-RL streichen

Die Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik-Richtlinie ist am 19. Oktober Thema im Gemeinsamen Bundesausschuss. Niedersachsens psychiatrische und psychosomatischen Kliniken fordern, dass zumindest die drohenden Sanktionen abgeschafft werden.

Veröffentlicht:
In Niedersachsen halten die psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken Änderungen an der PPP-Richtlinie für dringend nötig.

In Niedersachsen halten die psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken Änderungen an der PPP-Richtlinie für dringend nötig.

© Christoph Schmidt / dpa / picture alliance

Hannover. Niedersachsens psychiatrische Kliniken protestieren gegen die Strafzahlungen, die die PPP-Richtlinie (PPP-RL) ab 2024 für solche Häuser vorsieht, die die neuen Personaluntergrenzen nicht einhalten. Das teilte die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft am Freitag in Hannover mit.

Die psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken in Niedersachsen befürchten im Falle einer vollständigen Umsetzung der geplanten Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik-Richtlinie (PPP-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dass Versorgungskapazitäten erheblich eingeschränkt werden müssen, hieß es.

Strafzahlungen sind existenzbedrohend

In einer gemeinsamen Erklärung mahnen die Kliniken vor den am 19. Oktober anstehenden Beratungen im G-BA „dringend notwendige Anpassungen“ an. Die Unterzeichner der Erklärung fordern, die Sanktionsmechanismen solange auszusetzen, bis wissenschaftlich begründbare Mindestvorgaben zur Personalausstattung existieren. „Die Höhe der drohenden Sanktionen ist zum einen völlig unverhältnismäßig und zum anderen für Kliniken existenzbedrohend“, heißt es in der Erklärung.

Die Unterzeichner betonen zudem, dass grundlegende Voraussetzungen zur Erfüllung der Anforderungen der PPP-RL bislang fehlten. Benötigt würden zunächst rechtssichere Regelungen in der Bundespflegesatzverordnung zur vollständigen Finanzierung des erforderlichen therapeutischen Personals.

Multidisziplinäre Ansätze anerkennen

Zudem plädieren die Kliniken dafür, in den Mindestvorgaben der Richtlinie moderne interdisziplinäre und stationsübergreifende Behandlungskonzepte stärker zu berücksichtigen. Multidisziplinäre Ansätze und entsprechende Anrechnungsmöglichkeiten könnten aus Sicht der Kliniken zu der notwendigen Flexibilität verhelfen, um auch unter den Bedingungen eines sich verschärfenden Fachkräftemangels handlungsfähig zu bleiben.

Die allerorts laufenden Budgetverhandlungen zeigten, dass die Krankenkassen nicht bereit seien, das laut PPP-RL notwendige therapeutische Personal zu finanzieren, heißt es in der Erklärung weiter. „Das führt zu extrem konfliktbeladenen örtlichen Budgetverhandlungen zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen.“

Risiko der Leistungsreduktion

Diese Richtlinie erreiche das Gegenteil dessen, was sie anstrebe, sagt auch Dr. Hans-Heinrich Aldag, Vorsitzender der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft. „Es ist zu befürchten, dass sich die Versorgungsqualität der Kliniken nicht verbessert, sondern sie ihre Leistungen reduzieren müssen, um Unterschreitungen bei der Erfüllung der Richtlinie und damit Sanktionen zu vermeiden“, so Aldag.

Er befürchtet, „dass deutlich weniger stationär und teilstationär behandlungspflichtige Patientinnen und Patienten versorgt werden könnten.“ (cben)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
In Deutschland gibt es immer weniger klinische Forschung. Was Deutschland hingegen zu leisten imstande ist, zeigte sich zuletzt bei der COVID-19-Pandemie: mRNA-basierte Impfstoffe wurden schnell entwickelt und produziert.

© metamorworks / stock.adobe.com

Handlungsempfehlungen

Deutschland-Tempo statt Bürokratie-Trägheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Angepasste Endpunkte, moderne Studiendesigns und ungelöste Herausforderungen

© metamorworks / Getty Images / iStock

Krebsmedizin auf neuen Wegen

Angepasste Endpunkte, moderne Studiendesigns und ungelöste Herausforderungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

Vegetarische und vegane Ernährung bei Kindern mit Vorerkrankungen

Hornhautinfektion durch Pilze

Pilzkeratitis: CRISPR-Test hilft bei unklaren Verdachtsfällen

Lesetipps
Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?

Eine Illustration zeigt, wie mittels einer Spritze ins Auge gestochen wird.

© Asset Arc / stock.adobe.com / generated AI

Neovaskuläre altersbedingte Makuladegeneration

Anti-VEGF-Injektionen: Versäumte Termine kosten nAMD-Patienten wohl Sehschärfe