„Politik trägt Verantwortung“

Pädiater sehen Versorgung von Kindern und Jugendlichen gefährdet

Deutschlands Kinder- und Jugendärzte schlagen erneut Alarm: Die Situation in Kliniken und Praxen spitze sich dramatisch zu. Schuld seien die aktuelle RSV-Infektionswelle – und große Versäumnisse der Politik.

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Geht es der Kleinen gut? Wenn nicht, könnten es ihre Eltern schwer haben, einen Kinderarzt, eine Kinderärztin zu finden, so der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (Symboldbild mit Fotomodell).

Geht es der Kleinen gut? Wenn nicht, könnten es ihre Eltern schwer haben, einen Kinderarzt, eine Kinderärztin zu finden, so der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (Symboldbild mit Fotomodell).

© DoraZett / stock.adobe.com

Berlin. Deutschlands Pädiater haben ein dramatisches Bild der Situation in Kinderkliniken sowie Kinder- und Jugendarztpraxen gezeichnet.

Krankenhäuser müssten Eltern kranker Kinder abweisen, viele Praxen hätten ein Aufnahmestopp verhängt, schlägt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in einer am Montag verbreiteten Mitteilung mächtig Alarm.

Ein Grund für die angespannte Lage sei, dass sich das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) derzeit besonders stark verbreite, erklärte der Berufsverband. Hinzu kämen andere schwere Atemwegsinfekte, die zu dieser Jahreszeit vermehrt auftreten würden.

Die Infektwelle sei aber nicht die eigentliche Ursache der Misere, sagte BVKJ-Sprecher Jakob Maske. „Das Debakel hat die Politik zu verantworten, die seit Jahren die Pädiatrie finanziell aushungert, uns aber gleichzeitig immer mehr Aufgaben aufbürdet.“

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„Seit Jahren finanziell ausgehungert“

Etwa 80 Prozent der Kliniken hätten die Zahl ihrer Betten reduzieren müssen. Auffangen müssten dies die Praxen, die zunehmend schwer kranke und chronisch kranke Kinder und Jugendliche mitversorgen müssten, sagte Maske. Konfrontiert sähen sich die Pädiater überdies mit vielen „neuen Krankheiten“. Dazu zählten vor allem Übergewicht und sozial bedingte Entwicklungsstörungen, die einen hohen Beratungsaufwand in den Praxen erforderten.

Maske gab zu bedenken, dass etwa ein Drittel der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland in den kommenden fünf Jahren in Rente gehe. „Eltern werden dann noch größere Probleme haben, einen Kinder- und Jugendarzt oder eine -ärztin zu finden, der oder die ihr Kind medizinisch betreut, Vorsorgen macht, impft, berät, Infekte behandelt und dafür sorgt, dass es gesund aufwächst.“

Kinder hätten in der Politik offenbar keine Lobby – „und die Kinder- und Jugendmedizin hat es damit auch nicht“, erklärte der Berliner Pädiater.

Ethikrat mahnt schnelleren Zugang zu Diagnostik an

Der Deutsche Ethikrat rief die Politik am Montag ebenfalls dazu, „zeitnah“ Pläne vorzulegen, um „einen schnelleren und unkomplizierten Zugang“ zu ärztlicher und nichtärztlicher Diagnostik und Behandlung für Kinder und Jugendliche vorzulegen.

Dies gelte insbesondere für junge Menschen mit psychischen Problemen, wie sie etwa derzeit im Zuge der COVID-19-Pandemie verstärkt auftreten würden, erklärte der Rat anlässlich der Vorstellung einer Ad-hoc-Empfehlung zu Pandemiefolgen und psychischer Gesundheit am Montag in Berlin.

Ethikrats-Vorsitzende Professor Alena Buyx betonte, Kinder und Jugendliche dürften in gesellschaftlichen Krisen nicht alleingelassen werden. Während der Corona-Krise sei nicht hinreichend gewürdigt worden, welchen großen seelischen Belastungen junge Menschen durch die Pandemie selbst sowie die verhängten Maßnahmen ausgesetzt gewesen seien. „Der jungen Generation wurde große Solidarität abverlangt“, so Buyx.

Damit Kinder und Jugendliche bei künftigen gesellschaftlichen Krisen nicht erneut „besonders viele Lasten“ tragen müssten, seien unterstützende Angebote und Versorgungslücken zu schließen – auch durch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen ambulantem und stationärem Bereich. (hom/ker)

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