Kommentar zum Einstieg in den Ausstieg

Perspektiven tun not

Für die Kanzlerin, den Gesundheitsminister und die Länder kommt es jetzt darauf an, Perspektiven zu eröffnen.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 28.04.2020, 17:48 Uhr

Mitte März hat die Regierung eine Vollbremsung des Regelbetriebs in der Gesundheitsversorgung hingelegt. Am Donnerstag (30. April), wenn sich Kanzlerin Angela Merkel und die Spitzen der Länder treffen, könnten Lockerungen für die seit sechs Wochen geltenden Organisationszwänge in den Kliniken herausspringen. Das wäre jedenfalls folgerichtig.

Denn zum einen hat sich gezeigt, dass die für die Versorgung von Patienten mit COVID-19 vorgehaltenen Kapazitäten überdimensioniert sind. Zum zweiten sorgt das bisherige Konzept der einseitigen Ausrichtung der Versorgung auf die am neuartigen Coronavirus erkrankten Menschen für eine Verschlechterung der Versorgung für alle anderen. Schlaganfälle und Herzinfarkte bleiben womöglich unbehandelt, weil die Betroffenen fürchten, in den Krankenhäusern oder Arztpraxen infiziert zu werden. Unberechtigt sind diese Befürchtungen bekanntlich nicht.

Um diese Sorgen zu lindern, ist es nun die Aufgabe der Bundeskanzlerin, des Gesundheitsministers und der Länderchefs, baldmöglichst die Perspektive zu weiten und aufzuzeigen, wie Regel- und Corona-Versorgung möglichst risikofrei zusammengehen können.

Dabei sollten sie sich nicht allein auf die Analyse der stationären Versorgung beschränken. Der Schlüssel liegt vielmehr bei den niedergelassenen Ärzten. Sie dämmen Hospitalisierungen und nosokomiale Risiken an früher Stelle ein.

Schreiben Sie dem Autor: anno.fricke@springer.com

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler

Die Bundesregierung sollte sich in Zeiten etwas abklingender Corona-Virus-Aktivität nicht zu einseitig auf die klinische Versorgung in den Krankenhäusern kaprizieren. Niedergelassene Haus-, Familien- bzw. Fachärzte sind für Patientinnen und Patienten die erste und i.d.R. gut erreichbare Anlaufstelle.

Und es geht nicht nur um präklinische/klinische Anzeichen von Myokardinfarkt und Schlaganfall (Herz- und Hirninfarkt). In Peri- und Post-Coronavirus-Zeiten wird es wesentlich mehr Haut-, Brust-, Magen-Darm-, Lungen-, Nieren-, Genital- und Prostata-Krebserkrankung zu detektieren geben.

Wir werden vermehrt mit zusätzlichen übertragbaren und nicht-übertragbaren Erkrankungen (communicable/non-communicable diseases) konfrontiert; wie z. B. Borreliose, Tuberkulose, sexuell übertragbare Erkrankungen (STD) bzw. Hypertensive Herzkrankheit, fortgeschrittene KHK, Herzinsuffizienz, COPD, Diabetes, Nephropathie, Allergie und Asthma.

Auch meine Patientinnen und Patienten schieben offenkundig notwendige Arztbesuche vor sich her, meiden Vorsorge, Impfungen etc. im Kindes-, Erwachsenen- und Seniorenalter.

Wir Haus- und Familien-Arztpraxen müssen als erste Anlauf- und Beschwerdestellen bei Krankheits- und Gesundheitsfragen endlich öffentlich, gesundheitspolitisch und multimedial wahr genommen und respektiert werden.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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