Pandemie-Bekämpfung

Pharma-Chefs: „Es kommt genügend Corona-Impfstoff“

Schon bald könnten die Corona-Impfungen in Schwung kommen: Impfstoff-Hersteller haben in Brüssel mehr Tempo bei der Produktion der Vakzinen versprochen. Und sie betonen: Die Impfstoffe schützen auch vor Virus-Mutationen.

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Spritzen mit dem Impfstoff des Herstellers BioNTech/Pfizer gegen das Coronavirus liegen in einer Box in einem Impfzentrum in Berlin. Die EU soll bald noch mehr Impfdosen erhalten.

Spritzen mit dem Impfstoff des Herstellers BioNTech/Pfizer gegen das Coronavirus liegen in einer Box in einem Impfzentrum in Berlin. Die EU soll bald noch mehr Impfdosen erhalten.

© Kay Nietfeld/dpa

Brüssel. Die Impfungen gegen das Coronavirus mögen behäbig angelaufen sein. Aber in den nächsten Monaten werden sie in Schwung kommen. Dies versicherten die Chefs der wichtigsten Vakzin-Hersteller bei einer Konferenz der Europäischen Volkspartei (EVP) am Mittwoch in Brüssel.

So kündigte Pfizer-Chef Albert Bourla bei dem virtuellen Treffen an, dass man in diesem Jahr insgesamt zwei Milliarden Dosen des von BioNTech entwickelten Impfstoffs ausliefern werde. Bereits im Laufe des zweiten Quartals erhalte die EU rund 75 Millionen Ampullen – weitere sollen folgen. CureVac-Chef Frans-Werner Haas erklärte bei der gleichen Veranstaltung, dass das Unternehmen mit seinem Produkt gerade die dritte klinische Testphase absolviere.

Sollte man auf unerwartete Probleme stoßen, will der Konzern im Frühling seine Produktion umstellen und stattdessen den BioNTech-Impfstoff herstellen. „Wir brauchen eine schnelle Reaktion“, sagte Haas. „Bitte haben Sie etwas Geduld“, betonte Bourla, „genügend Impfstoff kommt.“ Tatsächlich rechnet man in Brüssel damit, dass es nun schneller geht.

Zwei weitere Impfstoffe in den Startlöchern

Am 29. Januar könnte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA das Vakzin von AstraZeneca zulassen. Johnson & Johnson wollen spätestens im darauffolgenden Monat die Marktzulassung beantragen. Die EU sieht diesem Verfahren mit Spannung entgegen, weil der Vertrag mit diesem Konzern nach Angaben von Sandra Gallina, Direktorin der EU-Generaldirektion Gesundheit, variabel gestaltet wurde: Die Kommission hat 200 Millionen Dosen geordert, weil das Johnson & Johnson-Vakzin mit nur einer Impfung für den Schutz auskommt.

Sollte sich dies als nicht ausreichend herausstellen, liefert das Unternehmen 400 Millionen Dosen nach Europa. Derweil laufen in den Labors der Hersteller die Vorarbeiten für die weitere Feinarbeit. So ging der Pfizer-Vorstandschef ebenso wie Moderna-Manager Tal Zaks davon aus, dass ihre Wirkstoffe auch gegen die neueste Mutation des Coronavirus wirken: „Wir glauben, dass wir geschützt sind“, erklärte Zaks. Mit Daten dazu wird im Februar gerechnet.

Bald auch Impfstoff für Kinder?

Außerdem ist bereits von einem Impfstoff für Kinder die Rede. Bisher sind die meisten Produkte ab 16 Jahren zugelassen. Schon in den nächsten Monaten könnten Impfstoffe für Zwölfjährige auf den Markt kommen.

Gleichzeitig, so Bourla, arbeite man an Produkten für Menschen beispielsweise mit Allergien, für die die bisher verfügbaren Impfungen nicht geeignet sind. Bis zum Februar wollen die Unternehmen auch die Frage beantworten, wie lange der Impfschutz mit den Vakzinen anhält: „Es sollte mindestens ein Jahr sein, vielleicht länger“, meinte Moderna-Forschungsleiter Zaks.

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sprach denn auch vor diesem Hintergrund von 2021 als „einem Jahr der Hoffnung“. Schließlich will die Gemeinschaft die historisch einzigartig rasche Entwicklung eines Impfstoffs nutzen, um mit dem Elan zum weiteren Ausbau einer Gesundheitsunion zu kommen. Dafür soll die nun praktizierte internationale Zusammenarbeit fortgesetzt werden.

BioNTeck-Chef: Genau diese Rahmenbedingungen brauchen wir

„Es ist ein großartiger Erfolg, dass die bisher genehmigten Impfstoffe die strengen Auflagen der EU so schnell geschafft haben und mit dieser einen Entscheidung in 27 Mitgliedstaaten eingesetzt werden können“, betonte BioNTech-Chef Ugur Sahin. Diese „Rahmenbedingungen, die ein schnelles Vorgehen möglich machten“, seien genau das, was die Unternehmen von der Politik brauchen.

Die „internationale Kooperation ist beispielhaft gewesen“, betonte Sahin. Gegen die vorherrschende Skepsis angesichts des neuen mRNA-Impfstoffs verwies er auf die fast 20-jährige Erfahrung und Forschungsarbeit, auf der man nun auch für andere Krankheitsbilder wie zum Beispiel Krebs aufbauen könne. (ded)

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Die Republik, Europa und die Welt impfen gegen Corona. Gut, hierzulande läuft es etwas schleppend an – dafür ist die Suche nach dem „Schuldigen“ umso hitziger. Ein „EvidenzUpdate“ über Neues zu den Vakzinen – und den Umgang mit Impfnotfällen.

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