Experten fordern

Potenziale von Praxisnetzen nutzen

Eine stärkere Förderung und gesetzliche Rahmenbedingungen für Praxisnetze fordern Experten.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Bei der Vernetzung niedergelassener Ärzte untereinander und auch mit Krankenhäusern gibt es gute Ansätze. "Den Durchbruch haben wir aber bei Weitem noch nicht geschafft", meint der ehemalige Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), Dr. Rainer Hess.

Nach wie vor nicht geklärt ist nach Ansicht von Hess, wie Vernetzungen, die sich in Selektivverträgen bewährt haben, in die allgemeine Versorgung übernommen werden können. Eine Antwort erwarte er sich vom Innovationsfonds, dessen Ziel es ist, sektorenübergreifende Versorgungsmodelle in die Regelversorgung zu überführen, sagte Hess, bei der 2. Bayerischen Gesundheitskonferenz von Medi Bayern in München

Ganz im Gegensatz zur Idee einer besseren Vernetzung von ambulanter und stationärer Versorgung stehe allerdings die beabsichtigte Etablierung von Portalpraxen an den Kliniken, sagte Hess. Dabei gehe es nicht um Kooperation, sondern um die Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung.

Der eigentliche Knackpunkt dabei sei aber die geplante Vergütung der Portalpraxen aus dem ambulanten Topf.

Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) seien die Praxisnetze erfreulicherweise gestärkt worden, erklärte Dr. Siegfried Jedamzik, Vorsitzender von Medi Bayern. Was jetzt noch fehle, sei die Möglichkeit, dass Praxisnetze auch Medizinische Versorgungszentren (MVZ) betreiben können. "Praxisnetze haben im Gesetz leider keinen institutionalisierten Status", bedauerte Jedamzik.

Für die Förderung von Praxisnetzen geben die Krankenkassen bundesweit gerade einmal etwa 15 Millionen Euro aus, erklärte der Vorstandsvorsitzende von Medi Geno Deutschland, Dr. Werner Baumgärtner. Und wenn man auf die IT-Vernetzung blicke, finde man in diesem Bereich vielfach potemkinsche Dörfer.

Für eine bessere Vernetzung müssten erst noch die politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, forderte Baumgärtner. Dass es hier noch an klaren politischen Vorstellungen mangele, zeigten die Portalpraxen, die insbesondere bei den Fachärzten "gewiss nicht für Wohlgefallen sorgen, wenn es um die Vernetzung von ambulant und stationär geht", erklärte Baumgärtner.

"Praxisnetze haben Pionierarbeit geleistet", erklärte Sophie Schwab von der DAK in Bayern. Viele Praxisnetze seien inzwischen hochprofessionell organisiert, sodass dort auch die Versorgung effizienter geworden sei.

In Praxisnetzen können Patienten früher aus dem Krankenhaus entlassen werden oder müssen gar nicht erst stationär behandelt werden, weil Ärzte in den Netzen um die Stärken ihrer Kollegen wissen, erläuterte Schwab. Diese höhere Patientenorientierung führe zu einer besseren Compliance, sodass Behandlungskosten eingespart werden können. Dem stünden allerdings höhere Organisationskosten gegenüber.

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