Alkoholsucht

Psychotherapeuten beklagen Therapiebremse

Die Folgen von Alkoholsucht kosten die Gesellschaft jährlich viele Milliarden Euro. Der Aufwand für Prävention und Therapie steht dagegen in einem krassen Missverhältnis, kritisiert die DPtV.

Veröffentlicht: 05.06.2019, 17:46 Uhr

BERLIN. Allein die Alkoholsucht verursacht nach Angaben der Bundesregierung jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von 40 Milliarden Euro.

Am Mittwoch haben Vertreter der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) auf ein Missverhältnis zwischen Schäden und den Aufwänden für Therapie und Prävention aufmerksam gemacht.

So könnten suchtkranke Menschen lediglich zehn Sitzungen Psychotherapie erhalten. Danach müssten sie abstinent sein, um die Chance auf eine Weiterbehandlung zu wahren, heißt es bei der DPtV.

„Das ist völlig unangemessen und unrealistisch“, sagte die Verbandsvorsitzende Dipl.-Psych. Barbara Lubisch im Rahmen des Symposiums „Alte und Neue Süchte – Wie nützlich ist Psychotherapie“ am Mittwoch in Berlin. Die Regelung führe dazu, dass Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen nicht ausreichend psychotherapeutisch ambulant versorgt werden könnten.

Diese Einschränkung wirkt offenbar wie eine Therapiebremse in der psychotherapeutischen Versorgung von Suchtkranken. Angesichts der Verbreitung von Substanzstörungen spiele die psychotherapeutische Versorgung eine zu geringe Rolle, sagte der Geschäftsführer des Instituts für Therapieforschung (IFT) in München, Dr. Tim Pfeiffer-Gerschel.

DPtV-Vize Dipl.-Psych. Gebhard Hentschel forderte den Gesetzgeber auf, Kooperationshindernisse bei der Versorgung suchtkranker Menschen aus dem Weg zu räumen.

„Ambulante Suchtbehandlung benötigt Möglichkeiten einer berufsgruppenübergreifenden, koordinierten und strukturierten Versorgung durch Psychotherapeuten, Psychiater, Hausärzte, Sozialarbeiter, psychiatrische Krankenpflege und Soziotherapie“, sagte Hentschel. (af)

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Kommentare
Gerhard Leinz

Suchtkranke diskrimiert?

Hier besteht ein hoher Inforamtionsbedarf bei Psyhotherapeuten. In der Suchthilfe gibt es seit vielen Jahren die ambulante Reha Sucht. Bewährter Goldstandart in der ambulanten Reha ist: Wer es nicht schafft abstinent zu werden, der muss zur stationären Entwöhnung mit einer guten etablierten Nachsorge. Es gibt keinen Grund diesen Standart für die ambulante Eineltherapie aufzuweichen. Das eigentlich Manko für Suchtkranke ist, das die Interventions/Motivationsarbeit in den Hausärztlichen Praxen zu wenig wertgeschätzt(vergütet) wird.Das Hausärztliche Gespräch und die Psychosoma tische Grundversorgung verdienen eine Aufwertung. Beim Hausarzt laufen die Suchtkranken auf die noch nicht für die zahlreichen Suchtberatungsstellen ''reif'' sind. Im übrigen: Nach meiner Erfahrung lösen Suchtkranke bei Psychotherapeuten häufig eine Aversion aus. Dies und die Wartezeiten katapultieren Suchtkranke zurück in das unterversorgt sein bzw. ''nicht mal'' (weil die meisten Psychotherapeuten es nicht kennen) in die be währte ambulante Reha Sucht.. deren Wirksamkeit im übrigen sogar bei Spiel süchtigen nachgewiesen ist.


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