Alkoholsucht

Psychotherapeuten beklagen Therapiebremse

Die Folgen von Alkoholsucht kosten die Gesellschaft jährlich viele Milliarden Euro. Der Aufwand für Prävention und Therapie steht dagegen in einem krassen Missverhältnis, kritisiert die DPtV.

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BERLIN. Allein die Alkoholsucht verursacht nach Angaben der Bundesregierung jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von 40 Milliarden Euro.

Am Mittwoch haben Vertreter der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) auf ein Missverhältnis zwischen Schäden und den Aufwänden für Therapie und Prävention aufmerksam gemacht.

So könnten suchtkranke Menschen lediglich zehn Sitzungen Psychotherapie erhalten. Danach müssten sie abstinent sein, um die Chance auf eine Weiterbehandlung zu wahren, heißt es bei der DPtV.

„Das ist völlig unangemessen und unrealistisch“, sagte die Verbandsvorsitzende Dipl.-Psych. Barbara Lubisch im Rahmen des Symposiums „Alte und Neue Süchte – Wie nützlich ist Psychotherapie“ am Mittwoch in Berlin. Die Regelung führe dazu, dass Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen nicht ausreichend psychotherapeutisch ambulant versorgt werden könnten.

Diese Einschränkung wirkt offenbar wie eine Therapiebremse in der psychotherapeutischen Versorgung von Suchtkranken. Angesichts der Verbreitung von Substanzstörungen spiele die psychotherapeutische Versorgung eine zu geringe Rolle, sagte der Geschäftsführer des Instituts für Therapieforschung (IFT) in München, Dr. Tim Pfeiffer-Gerschel.

DPtV-Vize Dipl.-Psych. Gebhard Hentschel forderte den Gesetzgeber auf, Kooperationshindernisse bei der Versorgung suchtkranker Menschen aus dem Weg zu räumen.

„Ambulante Suchtbehandlung benötigt Möglichkeiten einer berufsgruppenübergreifenden, koordinierten und strukturierten Versorgung durch Psychotherapeuten, Psychiater, Hausärzte, Sozialarbeiter, psychiatrische Krankenpflege und Soziotherapie“, sagte Hentschel. (af)

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