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Psychiatrie

Ruf nach Konzepten für bessere Versorgung

Immer mehr psychisch Kranke nehmen ärztliche Leistungen in Anspruch. Die Versorgungssysteme sind damit häufig überlastet, berichten Psychiater und Psychotherapeuten.

Veröffentlicht:

BERLIN. Ursache von Versorgungsengpässen in der Psychiatrie sei nicht eine zunehmende Häufigkeit von psychischen Erkrankungen, hat Dr. Iris Hauth, President Elect der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) betont.

Nach dem neusten Gesundheitssurvey des RKI hat etwa jeder dritte Deutsche mindestens einmal im Jahr eine psychische Störung, daran habe sich in den letzten zehn Jahren nichts geändert. Allerdings würden sich immer mehr Menschen trauen, ambulante und stationäre psychiatrische Leistungen in Anspruch zu nehmen.

Diese Nachfrage habe in den vergangenen 20 Jahren um etwa die Hälfte zugenommen, und der Trend werde sich wohl weiter fortsetzen, denn bislang stünden noch immer weniger als 40 Prozent der psychisch Kranken in Kontakt mit dem Gesundheitssystem.

Allerdings, so die Ärztliche Direktorin am Alexianer St. Joseph-Krankenhaus in Berlin beim DGPPN-Kongress, nimmt die Zahl der niedergelassenen Fachärzte in der Regelversorgung nicht zu, sondern ab. Gerade in ländlichen Regionen komme es dadurch zu Engpässen.

Verschärft werde die Lage noch durch eine völlig unzureichende Vergütung ambulanter Leistungen mit 45 Euro pro Patient und Quartal, was in der Regelversorgung gerade einmal für ein Gespräch von 30 Minuten im Quartal reiche. Dies sei bei schweren psychischen Erkrankungen deutlich zu wenig.

Um die Wartezeiten bei der Psychotherapie zu verkürzen, sollte vermehrt auch auf Kurztherapie gesetzt werden. "Dazu muss aber die Richtlinie aufgebohrt werden", sagte Hauth. Hier sei der Gesetzgeber gefordert.

Bei vielen Patienten reichten bereits 10 bis 20 Stunden Psychotherapie zur Stabilisierung. Um die Situation bei den Psychiatern zu verbessern, sei eine zeitabhängige Vergütung ähnlich wie in der Psychotherapie statt der bisherigen Pauschale anzustreben.

Ein Umdenken bei der psychiatrischen Versorgung forderte auch Kongresspräsident Professor Wolfgang Maier: "In keinem anderen Bereich der Medizin klaffen Versorgungsbedarf und -angebot so weit auseinander wie im Bereich der psychischen Gesundheit. Psychische Erkrankungen müssen innerhalb der Medizin stärker priorisiert werden." (mut)

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