SAPV-Angebot im Norden löst Disput mit Kassen aus

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Ärzte und Krankenkassen sind sich bei SAPV im Norden nicht einig.

Ärzte und Krankenkassen sind sich bei SAPV im Norden nicht einig.

© Tobias Kaltenbach / fotolia.com

KIEL/GEESTHACHT (di). Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) wirkt - sagen die Krankenkassen im Norden. Ärzte in Schleswig-Holstein nehmen das anders wahr. Nach Angaben der Barmer GEK werden vier von fünf in der SAPV betreuten Patienten in Schleswig-Holstein bis zu ihrem Tod in der gewohnten Umgebung medizinisch und pflegerisch versorgt. Jeder Zehnte wird bis zu seinem Lebensende in einem Hospiz versorgt. Neun Prozent der ursprünglich palliativ versorgten Patienten sterben im Krankenhaus.

Die Kasse sieht damit das Ziel der Palliativversorgung, möglichst viele Patienten vor ihrem Tod häuslich zu betreuen, als erreicht an. Thomas Wortmann, Chef der Barmer GEK im Norden, empfiehlt Schleswig-Holstein gar als Vorbild für andere Länder, entsprechende Angebote zu schaffen.

Ärzte dagegen sehen noch Defizite in Schleswig-Holstein. Nach Beobachtung von Dr. Hans-Bernd Sittig, ärztlicher Leiter eines Hospizes in Geesthacht, nennt unter anderem noch mangelnde Abstimmung zwischen den verschiedenen beteiligten Berufsgruppen und unzureichende Aufklärung über die Leistungen der Palliativmedizin.

Kritik übt Sittig an den Krankenkassen, weil diese die Verhandlungen mit der Arbeitsgemeinschaft spezialisierte ambulante Palliativversorgung Schleswig-Holstein abgebrochen haben. Ziel der Arbeitsgemeinschaft war ein landesweit einheitlicher Vertrag zur SAPV. Stattdessen haben die Krankenkassen Einzelverträge mit für sie günstigeren Konditionen vereinbart.

"Es gibt keine flächendeckende SAPV in Schleswig-Holstein", betont Sittig. Nach seiner Einschätzung sind die Einzugsgebiete für die SAPV-Teams zu groß bemessen, mit Anfahrtswegen von über 50 Kilometern.

Auch die Vergütung hält Sittig für nicht kostendeckend und bezeichnet sie als "betriebswirtschaftliches Desaster". Er fordert die Krankenkassen auf, Verhandlungen mit weiteren SAPV-Teams zu führen, um die Versorgung zu vervollständigen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Viel zu früh zum Jubeln

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