Gesundheitsbericht des Bundes

So krank sind die Deutschen

Wie gesund Menschen hierzulande sind, hängt vor allem von ihrem sozialen Status ab. Der Bericht "Gesundheit in Deutschland" zeigt außerdem, welche Krankheiten auf dem Vormarsch sind, was die zehn häufigsten Todesursachen sind und wie hoch die Lebenserwartung der Bundesbürger ist.

Von Julia Frisch Veröffentlicht: 03.12.2015, 16:21 Uhr

BERLIN. "Die Daten zeigen klar: Menschen mit niedrigem sozialen Status schätzen ihren Gesundheitszustand schlechter ein als diejenigen mit hohem oder mittleren Status, und sie sind auch kränker", sagte Professor Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), der zusammen mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) am Donnerstag den Gesundheitsbericht des Bundes vorgestellt hat.

Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebserkrankungen, Diabetes mellitus und degenerative Erkrankungen des Muskel- und Sklelettsystems treten in unteren sozialen Schichten häufiger auf.

Und: Menschen mit niedrigem Status sterben früher als jene mit mittlerem oder höheren Status: Frauen um acht Jahre, Männer um elf Jahre.

Auch unter psychischen Störungen leiden Menschen mit niedrigem sozialen Status öfter als Mitbürger mit höherem Einkommen.

Von Depressionen sind 16 Prozent der Frauen mit niedrigem sozialökonomischen Status betroffen, bei jenen mit hohem Status sind es nur fünf Prozent. Bei Männern liegt das Verhältnis bei elf zu knapp vier Prozent.

Gröhe kündigt nationales Diabetes-Zentrum am RKI an

Die steigenden Fallzahlen beim Diabetes mellitus bezeichnete Bundesgesundheitsminister Gröhe als "besorgniserregende Entwicklung". Bei 7,2 Prozent aller Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren, also bei rund 4,6 Millionen Bürgern, sei ein Diabetes Typ II bekannt.

Nach Hochrechnungen leiden zwei Prozent aller Erwachsenen (rund 1,3 Millionen Menschen) unter einem noch unbekannten Diabetes mellitus.

Gründe für die steigenden Zahlen liegen laut Wieler auch im demografischen Wandel. Ursache könnte aber auch eine bessere Diagnostik sein.

Gröhe kündigte angesichts dieser Zahlen an, ein nationales Diabetes-Zentrum am RKI aufzubauen. Hier sollen Daten gesammelt und laufend über sie berichtet werden. Ziel ist es, die Bevölkerung besser als bisher über Diabetes aufzuklären.

Vier von zehn Todesfälle gehen auf Herzkreislauferkrankungen zurück

Der Bericht erzählt freilich auch Erfreuliches: Die Lebenserwartung in West- und Ostdeutschland hat sich erstmals so gut wie angeglichen und liegt bei Frauen bei 82,7 und bei Männern bei 77,7 Jahren.

Zu den häufigsten Todesursachen gehören die Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall: Sie sind ursächlich für 39,7 Prozent aller Todesfälle.

Allerdings geht nach dem Gesundheitsbericht die Zahl der Neuerkrankungen bei Schlaganfall und Herzinfarkt zurück - eine Folge von Prävention, verbesserter Therapiemöglichkeiten und Versorgung.

Erfolge gibt es auch bei vielen Krebsarten zu verzeichnen: Zwar gab es zwischen 2001 und 2011 einen Anstieg der Neuerkrankungen. Dies, so heißt es im Gesundheitsbericht, sei maßgeblich auf den demografischen Wandel zurückzuführen.

Für die meisten Krebsarten seien die Sterblichkeitsraten aber in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Krebs gehört zu den zweithäufigsten Todesursachen in Deutschland, 25 Prozent aller Todesfälle gehen auf ihn zurück.

Mehr Hepatitis-C-Erstdiagnosen

Bei den Infektionen verzeichnet der Bericht einen leichten Anstieg der Hepatitis-C-Erstdiagnosen, 2013 waren es rund 5000 mehr als 2012. Auch bei den HIV-Neuinfektionen gehen die Zahlen seit der Jahrtausendwende wieder nach oben: 3300 waren es im Jahr 2013.

Knapp 94 Prozent der Eltern schätzen die Gesundheit ihrer Kinder als gut oder sehr gut ein. "Besorgniserregend" ist nach dem Gesundheitsbericht aber, dass ein Fünftel der Kinder und Jugendliche psychische Auffälligkeiten zeigen.

Auch hier spielt der soziale Status eine Rolle: In den unteren Schichten liegt der Anteil von psychischen Auffälligkeiten bei 33,5 Prozent, in höheren Schichten dagegen bei 9,8 Prozent.

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