Pflege

Studie: Es geht auch mit weniger Fixierungen im Heim

LÜBECK (di). Pflegeheime könnten Freiheitseinschränkende Maßnahmen (FEM) seltener einsetzen, ohne Stürze oder sturzbedingte Verletzungen ihrer Bewohner zu riskieren. Ein Leitlinien-gestütztes Programm hilft bei der Reduzierung der FEM.

Veröffentlicht: 13.06.2012, 17:08 Uhr

Dies zeigt eine Studie, für die Pflegekräfte aus 18 per Zufallsverfahren ausgesuchten Pflegeheimen nach der Leitlinie geschult wurden. Außerdem wurden in diesen Einrichtungen spezielle FEM-Beauftragte benannt und Informationen für Bewohner, Angehörige, gesetzliche Betreuer und Pflegekräfte bereitgestellt.

Zudem versicherten die Heime dieser Interventionsgruppe in einer Deklaration, sich für die Reduzierung von FEM wie etwa Fixierungen einzusetzen.

In den ebenfalls 18 Pflegeheimen der Kontrollgruppe hingegen gab es nur kurze schriftliche und mündliche Informationen über FEM. In den sechs Monaten des Untersuchungszeitraums sank die Zahl der mit FEM versehenen Bewohner in den Interventionsheimen von 31,5 auf 22,6 Prozent.

In der Kontrollgruppe blieb die Zahl der FEM nahezu unverändert: 30,6 Prozent bei Studienbeginn und 29,1 Prozent am Ende.

Fixierungen ethisch umstritten

In der Interventionsgruppe wurden alle Arten von FEM reduziert. Im Vergleich mit den Pflegeheimen der Kontrollgruppe zeigte sich, dass es keine negativen Auswirkungen gab - weder eine Zunahme von Stürzen oder sturzbedingten Verletzungen, noch eine vermehrte Verordnung von Psychopharmaka.

FEM gelten als ethisch umstritten und sind gesetzlich das letzte Mittel der Wahl.

Eine frühere Studie ergab, dass in Hamburger Pflegeheimen so genannte Fixierungen bei 26 Prozent der Heimbewohner angewendet werden - in den häufigsten Fällen sind dies Gitter.

Erstautor der jetzt veröffentlichten Studie ist Professor Sascha Köpke, der die Sektion für Forschung und Lehre in der Pflege am Institut für Sozialmedizin der Universität Lübeck und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein leitet.

Die Studie wurde von einer Forschergruppe der Universitäten Hamburg und Witten/Herdecke durchgeführt.

Das Interventionsprogramm ist online abrufbar unter: http://www.leitlinie.fem.de

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