Kommentar

Süß, süßer, Deutschland

Die Bundesbürger nehmen besonders viel Zucker über Getränke zu sich – laut Verbraucherorganisation foodwatch sind es knapp 26 Gramm pro Kopf und Tag. Die Zahlen schaffen ein weiteres Argument für die Einführung einer Zuckersteuer.

Thomas HommelEin Kommentar von Thomas Hommel Veröffentlicht:
Ein Glas ist mit Zuckerwürfeln gefüllt.

Zucker, nichts als Zucker: Über eine Sonderabgabe auf sehr süße Getränke diskutiert Deutschland seit Jahren. (Symbolbild)

© Elisa Schu/dpa

Es gibt Debatten, die schlagen im öffentlichen Raum regelmäßig hohe Wellen, um anschließend im sprichwörtlichen Sande zu verlaufen. Die Diskussion um die Einführung einer Zuckersteuer in Deutschland gehört zweifelsfrei dazu.

Dabei ist der Schritt überfällig. Eine aktuelle Datenerhebung, die die Verbraucherorganisation foodwatch ausgewertet hat, zeigt, wie überfällig er ist. Der Erhebung zufolge nehmen die Menschen hierzulande besonders viel Zucker über Getränke zu sich. Knapp 26 Gramm pro Kopf und Tag.

Damit liegt Deutschland auf Platz eins unter den zehn bevölkerungsreichsten Ländern Westeuropas. Luise Molling von foodwatch nennt Deutschland den „Zuckergetränke-Europameister“. Molling spricht von einem „traurigen Spitzenplatz“.

Folgekosten in Milliardenhöhe

Das besonders Traurige ist: Solange wir diesen Platz innehaben, macht flüssiger Zucker uns weiterhin krank und kostet unser Gesundheitssystem Jahr für Jahr Milliarden – Geld, das woanders dringend gebraucht wird.

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Nur mal so zur Einordnung: In Deutschland leben heute rund 8,9 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes. Etwa jeder vierte Erwachsene ist krankhaft übergewichtig. Allein Adipositas verursacht laut Nationaler Akademie der Wissenschaften Leopoldina pro Jahr rund 113 Milliarden Euro Folgekosten.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) wiederum rechnet vor, dass sich die direkten Krankheitskosten bei Diabetes mellitus schon heute auf rund 21 Milliarden Euro pro Jahr belaufen. Tendenz steigend. Hinzu kommen indirekte Kosten, die etwa für Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung anfallen.

Hört auf mit den Sonntagsreden!

Natürlich darf man beim Kampf gegen Übergewicht, Diabetes & Co. nicht bloß auf Zucker fokussieren. Es gibt noch andere Übeltäter. Allen voran mangelnde Bewegung und eine insgesamt ungesunde Ernährung.

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Aber eine Zuckersteuer könnte den zu hohen Konsum von Zucker hierzulande drosseln und auf ein gesundheitsförderliches Niveau senken. Es geht nicht um ein Verbot, wie Gegner der Abgabe mitunter suggerieren. Ein Hexenwerk ist die Umsetzung der Abgabe auch nicht – Wissenschaftler um den Gesundheitsökonomen Oliver Schöffski haben ein Konzept dafür längst aufgeschrieben.

Es geht um Anreize für eine gesundheitsbewusste Ernährung, kurzum: Es geht um konkrete Verhältnisprävention. Bleibt die Frage: Warum reden wir hierzulande darüber immer nur und postulieren, wie wichtig uns Prävention sei, statt endlich mal zu machen?

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