Hautkrebsscreening

TK erwartet Fortschritt durch Digitalisierung

Hautkrebs, früh erkannt, ist heilbar. Darum ist frühzeitiges Screening wichtig. Das ist ausbau- und verbesserungsfähig – auch durch Digitalisierung.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 30.05.2019, 05:00 Uhr

BERLIN. Nur rund 20 Prozent der anspruchsberechtigten GKV-Versicherten nehmen die Möglichkeit des Hautkrebs-Screenings wahr. „Die Menschen in Deutschland sind Früherkennungsmuffel“, so steht es im am Mittwoch in Berlin vorgelegte Hautkrebs-Report der Techniker Krankenkasse fest.

Um ausreichende Kapazitäten und eine gute Erreichbarkeit für das Screening zu erreichen, sind neben den Dermatologen auch Hausärzte berechtigt, die Leistung zu erbringen. Allerdings schränkt der Report ein: „Die Ergebnisse des Screenings können sehr unterschiedlich ausfallen – die Qualität der hausärztlichen Untersuchungen ist danach verbesserungsbedürftig.“ Mehr als die Hälfte der Versicherten nehmen beim Screening ihren Hausarzt in Anspruch, vor allem in den westlichen Bundesländern.

Dabei ist Hautkrebs mit einer Inzidenz von 272.000 Fällen pro Jahr eine der bedeutendsten – und in Anfangsstadien erfolgreich behandelbare – Erkrankung. 38.000 Fälle betreffen dabei das nicht selten aggressive maligne Melanom. Dies sind aber nur die in Krebsregistern erfassten Ersttumore. Zusammen mit den im Zeitablauf auftretenden Folgetumoren wird für 2019 mit rund 500.000 Hautkrebsfällen gerechnet.

IT-Einsatz in Praxen wird noch Zeit brauchen

Große Hoffnungen setzen die Autoren des Reports – Dermatologen und Sozialmediziner der Unis Hamburg und Bremen – auf digitale Techniken zur Unterstützung des Screenings. Sie verweisen auf eine 2017 in „Nature“ veröffentlichte Studie, in deren Rahmen ein lernendes Computerprogramm mit Fotografien und feingeweblichen Untersuchungsbefunden von mehreren 100.000 Patienten gespeist worden ist.

Nach mehreren „Lernrunden“ des Computers sei es gelungen, eine Treffsicherheit zu erreichen, die der erfahrener Dermatologen entspricht. Zu ähnlichen Ergebnissen ist auch eine jüngst publizierte Studie gekommen.

Zwar werde der Einsatz solcher Technologien in deutschen Arztpraxen noch Zeit brauchen, aber künstliche Intelligenz und Telemedizin könnten Ärzten in Zukunft helfen, ihre Diagnosen sicherer zu machen und ärztliche Versorgung auch in strukturschwache Räume zu bringen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Dr. Jens Baas.

Die TK hat dazu ein Projekt „TeleDermatologie“ in Mecklenburg-Vorpommern gestartet, das vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert wird und zeigen soll, wie strukturschwache Regionen von App-gestützten Anwendungen profitieren können und so auch dem Fachärztemangel entgegenwirken. Aber, so schränkt Baas ein: „Keine Technik wird den Arzt und seine Beratung ersetzen können.“ Die Technik werde Ärzten aber mehr Zeit für Beratung schaffen.

Ist in frühen Tumorstadien eine relativ einfache operative Entfernung möglich, so galten die fortgeschrittenen und teils aggressiven Tumoren bis vor wenigen Jahren als schwer behandelbar, sodass die betroffenen Patienten binnen kurzer Zeit an einem malignen Melanom starben.

Immuntherapien als Durchbruch bewertet

Als Durchbruch wertet der Report die in den vergangenen Jahren eingeführten Immuntherapien, die die Überlebenszeit und Lebensqualität der Patienten signifikant erhöht habe. Dabei können auch bereits entstandene Metastasen erfolgreich bekämpft werden.

Trotz dieser Erfolge bleiben Früherkennung und Prävention durch eigenes Verhalten – insbesondere Vermeidung zu hoher UV-Strahlung – unverzichtbar, um Hautkrebs zu vermeiden. Baas: „Jeder Sonnenbrand ist einer zu viel, denn die Haut vergisst nichts.“ Dringend empfehlen Experten wie der Bremer Professor Gerd Glaeske Cremes auf physikalischer Basis in ausreichender Dosierung. Die bei Discountern angebotenen Produkte seien qualitativ gut und außerdem preiswert.

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