Berufspolitik

Tote Frühchen: Klinikleitung unter Beschuss

Nach dem Tod von drei Säuglingen in Bremen schießen sich die Kritiker auf die Klinikleitung ein. Ihr Vorwurf: Versäumnisse im Management, ohne die die Neugeborenen womöglich noch leben könnten.

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Die Akte ESBL: In Bremen geht die Suche nach der Ursache für den Tod der Frühchen weiter.

Die Akte ESBL: In Bremen geht die Suche nach der Ursache für den Tod der Frühchen weiter.

© dpa

BERLIN (ami). Hygieneexperten sehen sich durch den Tod von drei frühgeborenen Babys im Klinikum Bremen-Mitte in ihren Forderungen nach einer konsequenten Umsetzung von Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern bestätigt.

Der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene Dr. Klaus-Dieter Zastrow begrüßte in diesem Zusammenhang das Krankenhaushygienegesetz der Bundesregierung.

"Das Gesetz verlangt, dass die Hygienevorschriften des Robert Koch-Instituts umgesetzt werden. Dieser Schritt war nötig. Denn Freiwilligkeit hat gar nichts gebracht", sagte Zastrow der "Ärzte Zeitung".

So verfüge auch die Bremer Klinik trotz Hygieneverordnung wie viele andere Kliniken bisher nicht über einen Krankenhaushygieniker.

Fehlende Kontrollinstanzen

Zastrow forderte aber auch, dass die Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften überprüft werden müsse. "Es muss jemanden geben, der das kontrolliert", sagte er.

Dabei warnte er davor, dass Aufsichtsratsvorsitz der Klinik und Weisungsbefugnis über das Gesundheitsamt oft in einer Hand liegen. Das sei eine "unselige Personalunion".

Kritik übte der Hygieniker auch daran, dass die Übergangsfrist zur Vorhaltung von Hygienepersonal in Kliniken bis 2016 ausgedehnt wurde. Zwei Jahre hätten seiner Auffassung nach genügt.

Vorwürfe in Richtung Klinikleitung

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene habe eine Übergangslösung vorgeschlagen, mit der es möglich ist, erfahrene Klinikärzte in maximal zwei Jahren zu Krankenhaushygienikern fortzubilden.

Diese würden dann in etwa fünf Jahren durch die inzwischen herangebildeten Ärzte für Hygiene abgelöst.

Im konkreten Fall von Bremen sieht Zastrow Versäumnisse bei der Klinik. Wenn es zutreffe, dass rund 15 Kinder mit einem monoklonalen Keim infiziert worden seien, dann sei das eine andere Dimension als drei Einzelfälle in drei Monaten.

Waren die Inkubatoren verunreinigt?

Er verweist auf die Meldepflicht ab zwei bis drei Fällen. Auch in der Ursachenforschung sei das Bremer Klinikum nicht konsequent: "Ich habe nicht den Eindruck, dass in Bremen alle Möglichkeiten untersucht werden", sagte er.

So sei bisher nicht bekannt geworden, dass die Aufbereitung der Inkubatoren überprüft wurde. "Ein Fehler bei der Aufbereitung der Inkubatoren würde dazu passen, dass es viele Fälle über einen langen Zeitraum sind", sagte er.

Eine der häufigsten Ursachen für Infektionen speziell auf Frühgeborenenstationen ist nach Zastrows Angaben aber personelle Unterbesetzung.

Zeitdruck ist lebensbedrohlich

"Das kann hier tödliche Folgen haben, wenn eine Pflegekraft gleichzeitig vier bis fünf Frühchen betreut", sagte er.

 "Eine der gefährlichsten Tätigkeiten ist der Umgang mit Infusionen. Kleinste Fehler münden oft in einer häufig tödlich endenden Sepsis. Deshalb ist Zeitdruck durch personelle Unterbesetzung hier lebensbedrohlich", warnt der Experte.

Die Zahl der Infektionen in der Neonatologie schnellt nach seinen Angaben bei einem unzureichenden Personalschlüssel nach oben. "Die Infektion ist damit ein Organisationsverschulden der Klinikleitung", so Zastrow.

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