Pflege-Reformen gefordert

VdK-Präsidentin Bentele: „Applaus und Pflegebonus reichen nicht“

Besseres Gehalt, mehr Personal, verlässliche Arbeitszeit: Der Sozialverband VdK fordert umfangreiche Reformen in der Pflege. Nur so ließen sich erfahrene Kräfte halten und Nachwuchs finden, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 14.07.2020, 15:25 Uhr
VdK-Präsidentin Bentele: „Applaus und Pflegebonus reichen nicht“

Fordert grundlegende Reformen in der Pflege: VdK-Präsidentin Verena Bentele.

© VdK / Susie Knoll

Ärzte Zeitung: Frau Bentele, der Sozialverband VdK macht sich für einen „großen Wurf“ für Pflegebeschäftigte stark. Was fordern Sie?

Verena Bentele: Applaus und auch ein Pflegebonus sind eine schöne Geste. Aber das reicht eben nicht. Jahrzehntelang wurden die sozialen Berufe systematisch benachteiligt. Deshalb fordert der VdK schon lange bessere Rahmenbedingungen: Das Gehalt muss stimmen, es braucht ausreichend Kollegen, Arbeitszeiten müssen besser und vor allem verlässlicher geregelt werden. Auch über mehr Aufgaben und mehr Verantwortung für die Beschäftigten müssen wir reden.

Verena Bentele

Seit Mai 2018: Präsidentin des Sozialverband VdK Deutschland.

Von 2014 bis Mai 2018: Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen.

Von 1995 bis 2011: Mitglied der paralympischen Nationalmannschaft im Skilanglauf und Biathlon. Vielfache Weltmeisterin und Paralympics-Siegerin in diesen Disziplinen.

Eine aktuelle Umfrage des Seniorenministeriums zeigt: Jeder fünfte Jugendliche könnte sich eine Pflegetätigkeit vorstellen – sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Was gehört aus Sicht des VdK dazu?

Egal, ob junger Berufseinsteiger oder erfahrene Pflegekraft: Die Arbeit in der Pflege muss für alle attraktiver werden. Da reichen keine Mindestlöhne, da muss ein bundeseinheitlicher Tarifvertrag für alle Beschäftigten her.

Wenn auch die Arbeitsbedingungen stimmen, können wir die erfahrenen Kräfte in der Pflege halten und neue, die wir so dringend brauchen, kommen nach.

Angehörige stellen Deutschlands größten Pflegedienst. Braucht es weitere Entlastungen der informellen Pflege?

Die meisten Pflegebedürftigen, rund 70 Prozent, werden zu Hause überwiegend von ihren Angehörigen betreut. Diese sind psychisch und körperlich oft ausgebrannt, die finanzielle Belastung ist hoch. Obwohl sie viel leisten, bekommen sie bisher keine Anerkennung – weder in der Corona-Krise noch darüber hinaus.

Deshalb fordert der VdK ein Pflegepersonengeld, eine Art Lohnersatzleistung analog zum Elterngeld. Das würde die Pflegenden endlich entlasten.

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Kommentare
Barbara Schlomann-Schmitter

Warum die Altenpflegekräfte den Bonus erhalten und die Krankenpflegekräfte nicht, wurde damit begründet, dass es in der Pflege Beschäftigte gibt, die noch schlechter bezahlt werden. Da zeigt sich, wie sehr die in der Pflege arbeitenden Menschen ausgebeutet werden und wie viel sie ihren Ausbeutern wert sind... nämlich NICHTS. Nicht umsonst bezeichnen sich die Pflegekräfte selbst als Kanonenfutter. Traurig ist das!


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