Kommentar zum Katastrophenschutz

Von Flut zu Flut: Diese Reform muss sitzen

Seit zwei Jahrzehnten sollen die Zuständigkeiten von Bund und Ländern im Katastrophenfall zusammenwachsen. Jetzt startet ein weiterer Versuch.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:

Nationales Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz, das klingt gut und wichtig. Dahinein sollen Bund, Länder und Kommunen ihre jeweils eigenen Fähigkeiten bei der Bewältigung von Katastrophen einbringen. So hat es das Kabinett beschlossen.

Soweit hätte die Politik allerdings schon seit Jahrzehnten sein können. Stattdessen saßen die Akteure in den von ihnen geschaffenen Silostrukturen der Zuständigkeiten für die Katastrophenhilfe fest.

Am Mittwoch hat die Bundesregierung einen neuen Anlauf genommen. Innenminister Horst Seehofer begründete ihn jedoch mit angegrauten Argumenten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sei bis dato eher für den Verteidigungs- und Spannungsfall zuständig, die Länder für die zivilen Katastrophen.

Lesen sie auch

Alte Zuweisungen stimmen nicht mehr

Das ist gelinde gesagt Unsinn. Tatsächlich müssten Bund und Länder an dieser Stelle längst nicht mehr in solchem Kompetenzgerangel verknotet sein. Die Internet-Seite des BBK selbst verweist darauf, dass die alte Zuweisung von Zuständigkeiten in Krieg und Frieden seit dem 11. September 2001 infrage steht und mit der Elbflut schon 2002 gekippt worden sei. Kurz darauf, nämlich 2004, wurde dazu Großes verkündet: eine „Neue Strategie zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland“.

Mit dieser Strategie sollte die gemeinsame Verantwortung von Bund und Ländern für „außergewöhnliche Schadenslagen von nationaler Bedeutung“ unterstrichen werden. Ihr Ziel war expressis verbis die „vorhandenen Hilfspotenziale von Bund, Ländern und Kommunen und Hilfsorganisationen“ zu vereinen. In Paragrafen gegossen wurden diese Absichten 2009 im Zivilschutz- und Katastrophenschutzgesetz.

Zu besichtigen ist also ein Prozess des Zusammenwachsens von Kompetenzen und Strukturen, der bereits seit zwei Jahrzehnten andauert. Viel mehr Zeit sollten sich die Verantwortlichen nicht nehmen. Was sie aufbauen wollen, kann im Ernstfall Leben retten. Was damit nicht geht, ist Pandemien und Extremwetterereignisse zu verhindern.

Schreiben Sie dem Autor: anno.fricke@springer.com

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Wechselwirkungen

Diese Medikamente sind bei Herzinsuffizienz riskant

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?

Atemwegserreger

RKI: RSV-Welle deutet sich an

Lesetipps
Diabetespatientin spritzt sich Insulin mit Insulinpen

© Goffkein / stock.adobe.com

Wenig bekannte Insulinkomplikation

Vorsicht bei Insulininjektionen: Nicht immer dieselbe Stelle nehmen

Eine ältere Frau klagt über Gelenk- und Muskelschmerzen in ihren Händen.

© Yakobchuk Olena / stock.adobe.com

Kasuistik zu Autoimmunerkrankung

Wüssten Sie, was hinter diesen Symptomen steckt?