Nationale Diabetes-Strategie

Vorschusslorbeeren für Koalition

Als einen "entscheidenden Durchbruch" bewerten die Deutsche Diabetes Gesellschaft und DiabetesDE die Aufnahme einer nationalen Diabetes-Strategie in den Koalitionsvertrag.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 17.03.2018, 10:10 Uhr
Vorschusslorbeeren für Koalition

Nach mehr als fünf Monaten steht die neue Bundesregierung – am Mittwoch ernannte Bundespräsident Frank Walter Steinmeier die Minister des vierten Kabinetts Merkel. Darunter Jens Spahn als neuer Bundesgesundheitsminister (4.v.l). Nach den "Stärkungsgesetzen" seines Vorgängers wird es nun Spahns Aufgabe sein, für eine Gesundheitspolitik mit Performance zu sorgen. Das gilt nicht zuletzt für den Kampf gegen Diabetes und Übergewicht, die als Massenphänomen in der Wohlstandsgesellschaft um sich greifen.

© dpa

BERLIN. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE haben die lange überfällige Vereinbarung von CDU, CSU und SPD im Koalitionsvertrag für eine nationale Diabetes-Strategie begrüßt.

"Das ist ein entscheidende Durchbruch – und eine neue Dynamik auch für die Diabetologie in Deutschland, sagte DDG-Präsident Professor Dirk Müller-Wieland. Seit Jahren habe man für die Umsetzung eines nationalen Diabetes-Plans gekämpft, und insofern sei die Ankündigung einer Diabetes-Strategie als erster Schritt positiv, so Dr. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von DiabetesDE.

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Fortschritte sehen die Organisationen im Ausbau der Gesundheitsforschung, bei der Einführung digitaler Innovationen und bei einer Roadmap zur Entwicklung und Umsetzung innovativer E-Health-Lösungen. Auch der Plan, den Ausbau der Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung zur Translation von Forschungsergebnissen mit Hochdruck voranzubringen, decke sich mit den Forderungen der Diabetesexperten, sagt Professor Müller-Wieland.

Das Leitbild einer am Patientenwohl orientierten Gesundheitspolitik müsse dazu führen, dass Innovationen, die die Lebensqualität der Patienten mit Diabetes verbessern, viel schneller in die Erstattung kommen als dies beispielsweise bei der kontinuierlichen Glukosemessung der Fall gewesen sei. "Wenn Belange der Menschen mit Diabetes und ihrer Angehörigen zukünftig besser berücksichtigt werden, verbessert sich auch das Management der Erkrankung entscheidend", so Kröger.

Mit der Ankündigung, die Disease-Management-Programme weiterzuentwickeln, die Vernetzung im Gesundheitswesen weiter auszubauen sowie eine sektorübergreifende Versorgung nachhaltig einzuleiten, nehmen die Koalitionäre weitere Barrieren für mehr Versorgungsqualität in Angriff.

Positiv bewertet wird auch die Qualitätsoffensive für Krankenhäuser: "Dass Zentren interdisziplinäre Behandlungsteams mit hoher medizinischer Fachkompetenz bieten, die eng mit ambulanten Schwerpunktpraxen zusammenarbeiten, ist Kern diabetologischen Handeln", so Müller-Wieland.

Dem widerspreche aber der Abbau von Lehrstühlen für Diabetologie und die Schließung von diabetologischen Fachabteilungen an Krankenhäusern. Ursächlich dafür ist das DRG-System, das ärztliche Leistung unterbewertet. Das gefährde auch die Heranbildung von Nachwuchs. In diesem Punkt werde man die Politik beim Wort nehmen.

Richtig sei auch eine weitere Schwerpunktsetzung bei der Prävention chronischer Erkrankungen, vor allem bei der Entwicklung einer nationalen Strategie zur Reduzierung von Übergewicht auch bei Kindern und Jugendlichen. Kröger: "Ein Eckpunktepapier zur Weiterentwicklung des Präventionsgesetzes, verbindliche zeitgebundene Zielmarken für eine nationale Reduktionsstrategie im Hinblick auf Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten noch in diesem Jahr und eine Weiterentwicklung der Nährwertkennzeichnung mit dem Ziel, eine ausgewogene Ernährung zu erleichtern – das sind sehr gute Aussichten.

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Einen weiteren Durchbruch sehen die beiden Organisationen in der Festlegung der Qualitätskriterien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung als Mindeststandards für die Verpflegung in Kitas, Schulen und in der Gemeinschaftsverpflegung.

Mehr Entschlossenheit hätten sich die Diabetesexperten bei der Reglementierung der an Kinder gerichteten Werbung gewünscht. Immerhin sei aber die Unterstützung zu einer Umsetzung der EU-Richtlinie "Audivisuelle Medien" auf der europäischen Ebene ein Anfang.

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