KV Nordrhein

Wachstumsbremse für MVZ!

Finanzstarke Kapitalgesellschaften kaufen Praxissitze wie geschnitten Brot auf. Niederlassungswillige Ärzte gehen häufig leer aus.

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DÜSSELDORF. Die KV Nordrhein (KVNo) sieht Handlungsbedarf bei Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), die sich in der Hand von Kapitalgesellschaften befinden. Diese MVZ zahlten sehr hohe Preise für Praxissitze, interessierte niedergelassene Ärzte könnten nicht mithalten, sagte der KVNo-Vorsitzende Dr. Frank Bergmann bei der Vertreterversammlung in Düsseldorf. "Das ist ein ständig wachsendes Problem."

In Nordrhein sind die Kapitalgesellschaften vor allem in der Radiologie, der Dialyse und dem Labor aktiv. Nach Beobachtung der KV stecken häufig Private-Equity-Gesellschaften aus Luxemburg oder den USA hinter dem gezielten Aufkauf von Praxissitzen. "Die Sitze gehen weg, ohne dass die niederlassungswilligen Ärzte die Chance hätten, sich zu bewerben", kritisierte KVNo-Vize Dr. Carsten König. Vor Kurzem hatte auch die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein vor den Gefahren durch die Konzernbildung in der ambulanten Versorgung gewarnt (wir berichteten).

Bergmann sieht Handlungsbedarf auf der Bundesebene. "Gesetzliche Korrekturen sind dringend erforderlich!" Für notwendig hält er Regelungen im Sozialgesetzbuch V zu Umfang oder Status der Zentren, so dass ihnen kein unbegrenztes Wachstum mehr möglich wird. "Man muss überlegen, wie man die Idee des MVZ intakt lassen und für die Vertragsärzte attraktiver machen kann, aber gleichzeitig eine übermächtige Konkurrenz verhindert", erläuterte er.

Die Problematik ist auch in anderen KV-Regionen bekannt, berichtete Bergmann. Unter anderem aus diesem Grund hätten die KVen aus Thüringen und Sachsen kürzlich ein Diskussionspapier in den Arbeitskreis der Kassenärztlichen Vereinigungen eingebracht. Sein Titel: "Handlungsbedarf für Änderungen an der sozialrechtlichen Stellung Medizinischer Versorgungszentren". Ende 2015 gab es bundesweit 2156 MVZ. (iss)

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