Schnelle Herzinfarktversorgung

Wenn das EKG aufs Handy kommt

Fortbildung und digitale Technik ermöglichen mehr Tempo bei der Versorgung von Herzinfarktpatienten. Vom Rettungswagen erhält der Kardiologe das EKG direkt aufs Handy.

Von Benjamin LassiweBenjamin Lassiwe Veröffentlicht:
Informierten sich am Mittwoch über Ergebnisse des Projekts „QS-Notfall“: Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD, li.) und Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne).

Informierten sich am Mittwoch über Ergebnisse des Projekts „QS-Notfall“: Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD, li.) und Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne).

© Benjamin Lassiwe

Berlin/Potsdam. Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) war in ihrem Element. „Hier bin ich ja fast zu Hause“, sagte sie im Innenhof der Lehrrettungswache der Berliner Feuerwehr in der Voltairestraße beim Bahnhof Alexanderplatz. Denn vor ihrer politischen Karriere war die Ärztin viele Jahre mit einem Berliner Notarztwagen unterwegs.

Am Mittwochabend allerdings wollte sie nicht zu einem Einsatz ausrücken: Gemeinsam mit ihrer Berliner Kollegin Dilek Kalayci (SPD) informierte sie sich über die Ergebnisse des in Berlin und zwei Brandenburger Landkreisen umgesetzten Projekts „QS-Notfall“.

Versorgung von Herzinfarkt-Patienten soll verbessert werden

Ziel des 2017 gestarteten Projekts war es, die Versorgung für Herzinfarktpatienten zu verbessern. So wurde vom Berlin-Brandenburger Herzinfarktregister und der Ärztekammer Berlin ein e-Learning-Projekt zum besseren Erkennen eines ST-Hebungsinfarkts entwickelt.

Zudem sorgt moderne Digitaltechnik dafür, dass die Notärzte das im Rettungswagen geschriebene EKG direkt auf das Handy des behandelnden Kardiologen funken, während sich der Patient noch auf der Anfahrt zum Krankenhaus befindet.

„Wenn der Kardiologe am Wochenende mit seinem Sohn Fußball spielt, sieht er das EKG noch auf dem Fußballplatz und trifft im Idealfall zeitgleich mit dem Patienten in der Klinik ein“, sagte Birga Maier vom Herzinfarktregister Berlin-Brandenburg.

Gerade im ländlichen Raum, wo die Ärzte des Herzkatheterlabors nicht rund um die Uhr im Krankenhaus sind, sei die digitale Datenübertragung von großem Vorteil: Erstversorgte Patienten konnten dadurch sowohl in Berlin als auch in Brandenburg zehn Minuten schneller versorgt werden.

Zeitgewinn bis zu 30 Minuten

Wenn die Patienten außerhalb der ärztlichen Kernarbeitszeit versorgt werden mussten, habe man in Brandenburg sogar bis zu 30 Minuten gespart. In beiden Bundesländern verdoppelte das telemetrisch übertragene EKG die Chance, leitliniengerecht in 60 Minuten in der Klinik behandelt zu sein.

Finanziert wurde das Projekt mit 1,5 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses. „Das Modellprojekt hat überzeugend gezeigt, wie die Notfallversorgung beschleunigt und verbessert werden kann“, sagte Nonnemacher. Jetzt sei es wichtig, dass die Ergebnisse vom GBA in die Regelversorgung überführt und „damit zum landesweiten Standard wird“.

Ebenso sprach Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci von einem „großartigen Ergebnis“. „Nun müssen diese Abläufe fester Bestandteil der Versorgung werden, damit die Herzinfarktversorgung in Berlin und Brandenburg noch weiter verbessert wird.“

Auch der Präsident der Berliner Ärztekammer, Dr. Günther Jonitz, zeigte sich zufrieden: „Wir freuen uns über die erfolgreiche Kooperation der Länder Berlin und Brandenburg bei diesem wichtigen Thema.“ Durch zielgerichtete Fortbildung und den erfolgreichen Einsatz digitaler Technologien in Schulung, Diagnostik und Kommunikation werde die Versorgung verbessert.

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