Sachsen

Wenn die Frühschicht zur Katastrophe wird

Am Uniklinikum Leipzig sind drastische Personalengpässe in der Notaufnahme publik geworden.

Sven EichstädtVon Sven Eichstädt Veröffentlicht:

Leipzig. Der Hilferuf einer Pflegekraft nach einer stark unterbesetzten Frühschicht beschäftigt das Universitätsklinikum Leipzig.

„Es sind Fehler gemacht worden, die niemals hätten passieren dürfen, die für Patienten lebensbedrohlich waren und mich psychisch so belasten, dass man völlig leer und verzweifelt diese Klinik verlässt, nachts nicht mehr schlafen kann und sich fragt, ob man am nächsten Tag wirklich auf Arbeit will“, heißt es in einem Brief einer Schwester oder eines Pflegers, aus dem die „Leipziger Volkszeitung“ zitiert und der als „Risikoanzeige“ zum internen Meldesystem der Klinik gehört.

„Der Notaufnahmebetrieb lief über mehrere Stunden mit nur zwei Pflegekräften, da die anderen beiden in Schockräumen gebunden waren.“ Eigentlich seien sechs Mitarbeiter für die Frühschicht vorgesehen gewesen, zwei hätten sich am Morgen krankgemeldet.

„Medizinische Katastrophe“

Die Frühschicht habe sich zur „medizinischen Katastrophe“ entwickelt. „Die Rettungsdienste stehen hier in Schlange im Gang und bekommen die Patienten nicht los.“ Dabei sei um das Leben eines einjährigen Kindes gekämpft worden, das aus dem dritten Stock gefallen sei.

Die Leitung der Klinik bestätigt auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“, dass eine Frühschicht Ende August damit gemeint sei. Allerdings sei die „Notfallversorgung der Patienten trotz der angespannten Besetzungssituation durchgängig gewährleistet“ gewesen.

Die Klinikleitung schreibt weiter, sie nehme „die vorgebrachten Punkte ernst“ und werde „alles unternehmen, um die teilweise schwierigen Besetzungssituationen abzufedern“.

Sie verweist auf einen „Pflegepool und Mechanismen zur Ausfallregelung, an denen intensiv gearbeitet“ werde, sowie auf Neueinstellungen und Nachbesetzungen. Es sollten Verbesserungen bei der Bettenbelegung und Patientensteuerung erarbeitet werden. Die Klinikleitung schätzt, der Personalschlüssel sei „grundsätzlich ausreichend“ und werde „anhand der Patientenzahlen regelmäßig überprüft und angepasst“.

„Haus mit Personalminimum“

Sie ergänzt, dass „akute Ausfälle wie in Verbindung mit besonders schwierigen Versorgungssituationen oder kurzfristig hohem Notfallaufkommen nicht planbar“ seien. In den nächsten Schichten sei die Notaufnahme wieder planmäßig besetzt gewesen.

„Das ist nicht der erste Dienst, in dem wir dem Patientenaufkommen personell nicht gewachsen sind“, schreibt die Schwester oder der Pfleger aus der Frühschicht. „Wir wollen ein Klinikum der Maximalversorgung sein? Wie soll das gehen, wenn man das Gefühl hat, in einem Haus mit Personalminimum zu arbeiten?“

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