Berufspolitik

Wie können Darmkrebspatienten besser versorgt werden?

Mehr als 300 Kliniken nehmen an der bislang größten Versorgungsstudie zu Darmkrebs in Deutschland teil. Zunehmend beteiligen sich auch ausländische Häuser.

Von Petra Zieler Veröffentlicht: 10.03.2010, 15:11 Uhr

MAGDEBURG. Für die Versorgungsstudie Darmkrebs sind innerhalb von neun Jahren die Daten von über 60 000 Patienten analysiert worden sind. Federführend ist die Klinik für Allgemein-, Viszeral und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg.

"Ziel der Studie", so Klinikchef Professor Hans Lippert, "ist die europäische Harmonisierung der Behandlung von Patienten mit Dick- und Mastdarmtumoren." Erste Ergebnisse zeigten, dass es gerade bei der Wahl der Operationsart unterschiedliche Ansichten gibt, die sich letztlich zum Nachteil für die Krebspatienten auswirken können. So seien schonendere laparoskopische Eingriffe nicht in jedem Fall die erste Wahl.

Es sei deshalb besser, so Lippert, die Laparoskopie ab einer bestimmten Tumorgröße auszuschließen. Aber auch bei sehr kleinen, tief- oder flachliegenden Tumoren sollten Chirurgen und alle an der Diagnostik beteiligten Spezialisten im Vorfeld genau ausloten, ob der Krebs laparoskopisch wirklich vollständig entfernt werden könne.

Die Studie, die bereits seit neun Jahren läuft, wird halbjährlich von Lippert und seinem Ärzteteam ausgewertet und jährlich vorgestellt. Die nächste Gremienkonferenz ist für den Mai dieses Jahres geplant. Zusätzlich erhält jedes einzelne, an der Studie beteiligte Haus seine spezielle Auswertung und dazu vergleichende Daten mit den durchschnittlichen Ergebnissen der anderen Kliniken. Lippert: "So kann jeder sehen, wo er steht und entsprechende Schlussfolgerungen für sich ziehen."

Lippert vergleicht das mit der Tabelle der Fußball-Bundesliga. Jeder könne ablesen, wo er gut ist und wo nicht, ob Nachschulungen helfen könnten oder es unter Umständen sogar angebrachter ist, ganz auf Darmkrebsoperationen zu verzichten und diese spezialisierteren Häusern zu überlassen. Lippert: "Die durch die Studie gereifte Erkenntnis, ab einer bestimmten Tumorgröße nicht mehr in kleineren Krankenhäusern zu operieren, wird aber von immer mehr Ärzten respektiert."

Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Mittlerweile sind auch ausländische Kliniken mit an Bord, besonders aus Polen und Italien.

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