Direkt zum Inhaltsbereich

Kommentar zum Saarländischen Corona-Impfstart

Windhundprinzip: Senioren auf der Jagd nach Dosen

Wer über 80 ist, aber nicht internetaffin, ist bei der Terminvergabe für die Impfung gegen COVID-19 schnell abgehängt.

Dr. Michael KudernaVon Dr. Michael Kuderna Veröffentlicht:

Windhunde gehören zu den schnellsten Tierarten. Die schlanken, langbeinigen Läufer jagen ihre Beute vornehmlich auf Sicht, heißt es in einschlägigen Lexika. Welch ein Pech, dass nicht alle alten Menschen so leichtfüßig sind und schnell reagieren können – auch wenn viele Politiker ihnen beim Rennen um die knappen Corona-Impfdosen genau das zutrauen.

Wer als erster anruft, bekommt den ersten Termin – das nennt sich dann „gleiche Chancen für alle“. Wie gut, wenn Senioren Kinder oder Enkel haben, die internet-affin sind und ihren betagten Mamas, Papas, Omas und Omas die ersehnten QR-Codes beschaffen. Wer Single blieb und auch sonst nicht so gesellig ist, hat ja auch weniger Kontakte und muss also nicht in gleichem Maße geschützt werden – logisch, oder?

Im Reservierungsgestrüpp verheddert

Im Ernst: auch wenn ich nicht auf Anhieb eine bessere Lösung aus dem Hut zaubern kann, die in den meisten Bundesländern praktizierte Vergabe von Impfterminen nach Schnelligkeit der Anmeldung ist für einen hochtechnisierten Staat irgendwie grotesk. Selbst die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsbundestagsfraktion, Karin Maag, hat sich beim Versuch, für ihre 85-jährige Mutter einen Termin zu ergattern, erst einmal in dem Reservierungsgestrüpp verheddert. Wenn dazu noch wie im Saarland der Verzicht auf persönliche Anschreiben mit Datenschutz begründet wird, verstärkt das den Eindruck, dass mehr im Argen liegt als nur praktische Probleme.

„Was fehlt, ist der Impfstoff. Hier muss dringend nachgeordert werden.“ Richtig erkannt und gut gebrüllt, möchte man da dem Chef des saarländischen Krisenstabs applaudieren. Wie es geht, kann man derzeit in Israel studieren. Dort gibt es – vom gleichen Hersteller – so viel Impfstoff, dass man die Windhundjagd erst gar nicht eröffnen muss. Dort war man auch so schneller. Wir müssen dagegen, so steht zu befürchten, noch längere Zeit einer Lieblingsbeschäftigung unserer Politik folgen und „auf Sicht fahren“. Die Alten können ja derweil ihre Zeit damit verbringen, nach Dosen zu jagen.

Schreiben Sie dem Autor: gp@springer.com

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kolumne aus Berlin

Medizin ohne Arzt: Das Land klatscht Beifall

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Impfungen – ob Influenza oder Reisezeit

© Springer Medizin Verlag GmbH

Impfungen – ob Influenza oder Reisezeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tipps von hausärztlichen Anwendern

Wenn Kollege KI in der Arztpraxis „assistiert“

DGIM 2026

Bewusstseinsstörungen: Der internistische Blick

Lesetipps