Wo fängt Sterbehilfe an, und wo hört Palliativmedizin auf?

Veröffentlicht:

In der britischen Ärzteschaft und bei Patienten in Großbritannien hat der Fall Craig Ewert eine neue Ethikdebatte ausgelöst. Zugleich ist die Londoner Regierung unter Druck geraten, Gesetze, die die Sterbehilfe unter Strafe stellen, zu reformieren.

Bei der Diskussion geht es um zwei Fragen: Sollten die aus dem Jahre 1961 stammenden Gesetze, die Sterbehilfe mit Gefängnisstrafen von bis zu 14 Jahren belegen, reformiert werden? Und: Ist es akzeptabel, den Suizid im Fernsehen zu zeigen?

Viele Medizin-Ethiker haben sich gestern zu Wort gemeldet. Sie wiesen darauf hin, dass in den vergangenen Jahren mehr als 100 Patienten aus Großbritannien in die Schweiz gereist seien, um dort ihr Leben vorzeitig zu beenden. Obwohl alle Patienten von Angehörigen oder Freunden begleitet wurden und diese Begleiter theoretisch laut britischem Gesetz eine Straftat begingen, wurde bis heute niemand dafür strafrechtlich belangt.

Allerdings weisen ärztliche Berufsverbände darauf hin, dass eine Strafverfolgung "jederzeit möglich" sei. Das bringe auch Ärzte in ein Dilemma, weil "niemand genau weiß, wo Palliativmedizin aufhört und wo Sterbehilfe anfängt". Die Ärzte verlangen vom Gesetzgeber klarere Vorgaben. "Die Grauzone ist unbefriedigend", so eine Sprecherin des Ärztebundes British Medical Association.

Ein Sprecher der Anti-Sterbehilfeorganisation "Care Not Killing" sagte: "Das Problem ist, dass sich unsere Gesellschaft an die Idee gewöhnen könnte, bestimmte Lebensformen sind nicht lebens- und erhaltenswert."

Arndt Striegler

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Die Einschaltquote zählt - sonst nichts

Lesen Sie dazu auch: Spektakulärer Suizid - und Millionen Briten schauen zu

Mehr zum Thema

Debatte in Nationalversammlung

Frankreich: Wird aus dem Sterbehilfe- ein „Euthanasie-Gesetz“?

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Jürgen Windeler im Interview

„Das Gesundes-Herz-Gesetz ist völlig gaga!“

Nächste Woche erste Lesung im Bundestag

Linkes Bündnis nennt Lauterbachs Klinikpläne Etikettenschwindel

Lesetipps
Hört die KI künftig in Praxis- und Klinikalltag mit? Beim Healthcare Hackathon in Berlin wurden gleich mehrere Szenarien getestet, bei denen eine Art Alexa etwa bei der pflegerischen Aufnahme unterstützt.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Healthcare Hackathon

Wie KI zur echten Praxis- und Klinikhilfe wird

Professor Ferdinand Gerlach

© Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Gemälde von Menschen auf einer tropischen Insel, die um eine übergroße Mango tanzen.

© Preyanuch / stock.adobe.com

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft