Erhebung der Aktion Mensch

Woran es bei der Inklusion hapert

Eine Studie der Aktion Mensch deckt Mängel bei der Inklusion von Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung auf. Ein Faktor ist demnach die größte Hürde.

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Barrierefrei? Das bedeutet mehr als Aufzüge und Rampen anzubieten. Vor allem beim Umgang mit Ämtern und Behörden wünschen sich Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung mehr Unterstützung.

Barrierefrei? Das bedeutet mehr als Aufzüge und Rampen anzubieten. Vor allem beim Umgang mit Ämtern und Behörden wünschen sich Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung mehr Unterstützung.

© Ilan Amith / stock.adobe.com

Bonn. Gravierende Missstände bei der Barrierefreiheit erschweren nach Einschätzung der Aktion Mensch die Inklusion von Menschen mit Behinderung. Ämter und Behörden, Mobilität und berufliche Hürden bereiten die größten Schwierigkeiten, wie eine am Montag vorgestellte Studie der Organisation ergab. Anlass ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am Mittwoch.

Barrierefreiheit werde „oft mit Rampen, Aufzügen oder barrierefreien Eingängen gleichgesetzt“, sagte die Sprecherin der Aktion Mensch, Christina Marx. Doch nicht allein diese sichtbaren Barrieren erschwerten den Alltag. „Oft fangen die Probleme bereits im zwischenmenschlichen Bereich oder bei bürokratischen Hürden an.“

Mehr als jeder Zweite wünscht sich mehr Infos zu eigenen Ansprüchen

Der Studie zufolge zählt für einen Großteil der Befragten der Umgang mit Ämtern und Behörden zu den größten Herausforderungen im Alltag. Für mehr als die Hälfte (58 Prozent) dieser Gruppe fehlt es hier vor allem an Aufklärung und Informationen zu den eigenen Ansprüchen und Rechten. Zudem stellen umfangreiche Anträge und bürokratischer Aufwand (56 Prozent) Menschen mit Behinderung vor Probleme. Gut ein Drittel (34 Prozent) berichtete zudem von ausgrenzendem Verhalten bei Ämtern und Behörden.

Auch die Bereiche berufliche Entfaltung und uneingeschränkte Mobilität nannten viele Befragte als schwierigen Lebensbereich. 58 Prozent dieser Gruppe vermissen demnach eine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit. Vor allem die unzureichende Barrierefreiheit in öffentlichen Verkehrsmitteln (48 Prozent) und fehlende Kostenübernahmen (49 Prozent) wurden als zentrale Probleme genannt.

Verständnis bei Arbeitgebern fehlt vielfach

Auf beruflicher Ebene bemängelt fast die Hälfte (48 Prozent) eine schlechte Verfügbarkeit von technischen Hilfsmitteln; 58 Prozent fehlt es aber auch an Verständnis der Arbeitgeber.

Aus diesen Missständen ergeben sich laut Aktion Mensch klare Forderungen an die Gesetzgebung und die Gesellschaft. 73 Prozent der Befragten wünschen sich demnach mehr Aufklärung, 60 Prozent ein stärkeres Bewusstsein für Barrieren in der Gesellschaft. 70 Prozent forderten bessere Informationen durch Ämter und Behörden. 57 Prozent wollen, dass Unternehmen der Privatwirtschaft zu umfassender Barrierefreiheit verpflichtet werden.

Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos 1001 Menschen mit Schwerbehinderung zwischen 16 und 64 Jahren.

Mehr al s zehn Millionen Betroffene

Auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte mehr Entschlossenheit im Einsatz für Inklusion. Viele Betroffene ließen eine Schwerbehinderung nicht offiziell anerkennen, weil sie Aufwand oder Vorurteile scheuten, erklärte der SoVD in Berlin. Andere müssten darum kämpfen, dass ihre Beeinträchtigung anerkannt wird. In der Corona-Pandemie sei in Sachen Inklusion mehr zu tun denn je, so Verbandspräsident Adolf Bauer.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben in Deutschland rund 7,8 Millionen Menschen mit amtlich anerkannter Behinderung. Hinzu kommen 2,75 Millionen Menschen mit einem anerkannten Grad der Behinderung (GdB) von weniger als 50. (kna)

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