Ärger für Ärzte in Klinik-MVZ?

Razzien in Klinik-MVZ haben den Marburger Bund alarmiert. Er warnt: Viele Ärzte in Klinik-MVZ wissen oft nicht um das rechtlich dünne Eis ihrer Tätigkeit in diesen Einrichtungen.

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DRK Kliniken in Berlin: Auch ihr MVZ war in den Fokus der Ermittler geraten.

DRK Kliniken in Berlin: Auch ihr MVZ war in den Fokus der Ermittler geraten.

© dpa

BERLIN (ami). Ärzte in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) von Krankenhäusern werden oft zu Unrecht kriminalisiert. Darauf weist der Marburger Bund Berlin / Brandenburg (MB) hin.

Wenn Weiterbildungsassistenten nur im Krankenhaus angestellt sind und nicht auch im Klinik-MVZ als Assistent eines weiterbildungsberechtigten Facharztes, dürfen sie im MVZ nicht tätig werden.

Denn MVZ gehören zur vertragsärztlichen Versorgung, und dort ist Facharztstandard gefordert. Weil sie das nicht beachtet haben, hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin Strafanzeige gegen die MVZ von Helios und DRK gestellt (wir berichteten).

Verzahnung sorgt für Informationsbedarf

Nun suchen betroffene Ärzte Rechtsschutz beim MB, weil sie sich mit dem Vorwurf des Abrechnungsbetrugs konfrontiert sehen. Das Problem tritt laut MB nur in Klinik-MVZ auf.

MB-Jurist Uwe Scholz führt es auf die "Verzahnung zwischen Krankenhaus-MVZ und stationären Weiterbildungsassistenten" zurück. Der MB sieht hier massiven Infobedarf.

"Ich denke, dass vielen Klinikkollegen nicht bewusst ist, dass sie im MVZ in einem anderen Rechtskreis arbeiten", so der Berliner MB-Chef Dr. Kilian Tegethoff.

Jonitz: Ärzte aus Machtgezänkt heraushalten

Der Berliner Ärztekammerpräsident Dr. Günther Jonitz fordert zudem gesetzliche Klarstellungen. "Es müsste eindeutig geregelt werden, dass die organisations-, haftungs- und kassenarztrechtliche Verantwortung beim MVZ bleibt und nicht dem Arzt angelastet wird", sagte Jonitz.

Dass die KV Berlin hart gegen solche Verstöße vorgeht, erklärte er mit der politischen Dimension der MVZ.

"Die politische Forderung nach MVZ hatte den ganz klaren Hintergrund, die niedergelassene Facharztschiene zu schwächen", so Jonitz.

Dass von dieser Seite vehement auf gleich lange Spieße gedrungen werde, sei daher "nicht nur menschlich nachvollziehbar". Seine Forderung: "Aus diesem machtpolitischem Gezänk muss der Arzt herausgehalten werden."

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