Altersversorgung

Ärzteversorgung Westfalen-Lippe stockt Reserve auf

Mit einer Nettokapitalrendite von 4,3 Prozent steht die Ärzteversorgung Westfallen-Lippe vergleichsweise gut da.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 08.07.2020, 13:43 Uhr
Ärzteversorgung Westfalen-Lippe stockt Reserve auf

Zum Portfolio der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe gehört nun auch eine Büroimmobilie. Als Nettokapitalrendite wurden 2019 4,3 Prozent erzielt.

© nmann77 / stock.adobe.com

Münster. Die Corona-bedingten Verwerfungen auf den Kapitalmärkten schlagen sich auch in der Leistungspolitik der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe (ÄVWL) nieder. Das Versorgungswerk hatte angesichts der guten Finanzlage eigentlich geplant, die Leistungen für die Anwärter und die Rentner zum 1. Januar 2021 zu erhöhen. Jetzt lassen die Verantwortlichen aber lieber Vorsicht walten, die Dynamisierung der Leistungen entfällt.

„Wir haben beschlossen, stattdessen die Reserven zu stärken“, sagt Hauptgeschäftsführer Christian Mosel der „Ärzte Zeitung“. Diese Entscheidung ist von der Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe einstimmig mitgetragen worden.

Vier Prozent Rechnungszins

Den Ärzten sei bewusst, wie schwierig es zurzeit ist, gut verzinsliche Anlagemöglichkeiten zu finden. Und die Latte hängt hoch bei der ÄVWL. Das Versorgungswerk arbeitet nach wie vor mit einem Rechnungszins von vier Prozent. Mit ihren Kapitalanlagen in Höhe von 12,7 Milliarden Euro erzielte die ÄVWL im Geschäftsjahr 2019 wie schon 2018 eine Nettokapitalrendite von 4,3 Prozent. Damit steht sie im Vergleich zu vielen anderen ärztlichen Versorgungswerken gut da.

Der Schwerpunkt der Anlagen sind Spezialfonds, bestehend aus Wertpapier-, Alternative- und Immobilien-Spezialfonds. Sie machten im vergangenen Jahr rund 70 Prozent des Portfolios aus und brachten eine Rendite von 4,9 Prozent. Der Anteil des Rentendirektbestandes betrug 24,6 Prozent mit einer Rendite von 3,4 Prozent. Mit Hypothekendarlehen erzielte das Versorgungswerk eine Rendite von ebenfalls 4,9 Prozent.

Immobilienanlage und höhere Aktienquote

Zu den besonderen Anlagen im Jahr 2019 gehören der Erwerb eines Büroneubaus im schottischen Edinburgh mit 16.700 Quadratmetern Mietfläche sowie die Beteiligung an Railpool, einem Vermieter von Eisenbahnfahrzeugen.

Im Moment investiert die ÄVWL in Aktien und erhöhte ihre Aktienquote. „Wir sind gezwungen, ins unternehmerische Risiko zu gehen, um den Rechnungszins von vier Prozent zu erwirtschaften“, sagt er. Das laufende Jahr wird noch einige Herausforderungen für das Versorgungswerk bereithalten, erwartet der Hauptgeschäftsführer.

Mitgliederzahl wächst weiter

Ende 2019 hatte die ÄVWL 44.452 Mitglieder, das war ein Zuwachs um 2,2 Prozent. Mit 63,2 Prozent (+1,0 Prozent) nach machten angestellte Ärztinnen und Ärzte den Großteil aus, der Anteil der Niedergelassenen sank auf 25,5 Prozent (- 1,1 Prozent).

Die Beitragseinnahmen erhöhten sich um 3,9 Prozent auf 588,9 Millionen Euro. Davon stammten 26,0 Millionen aus der sogenannten Höherversicherung: 2773 Mitglieder, die in der Grundversorgung bereits die höchstmögliche Abgabe von 19.500 Euro geleistet hatten, hatten ihre Einzahlungen noch mal aufgestockt. „Gründe für die Steigerung der Beitragseinnahmen dürften nach wie vor das Niedrigzinsumfeld und die daraus resultierende Attraktivität des Versorgungswerkes im Vergleich zu anderen Altersvorsorgemöglichkeiten sein“, heißt es im Geschäftsbericht.

Versorgungsleistungen stiegen 2019 deutlich

Die von der ÄVWL ausgezahlten Versorgungsleistungen nahmen im vergangenen Jahr um 5,9 Prozent auf 507,9 Millionen Euro zu. Davon entfielen 414,2 Millionen Euro auf Altersrenten und 64,6 Millionen Euro auf Witwen- und Witwerrenten.

Ende 2019 erhielten 485 Ärztinnen und Ärzte eine Berufsunfähigkeitsrente der ÄVWL. Bei fast jedem zweiten (49,5 Prozent) war die Berufsunfähigkeit auf eine psychische oder eine Suchterkrankung zurückzuführen. Bei 20,0 Prozent waren Tumorerkrankungen der Grund, bei 14,7 Prozent Erkrankungen des Nervensystems.

Die Verwaltungskosten der ÄVWL blieben mit 1,33 Prozent der Beitragseinnahmen auf einem niedrigen Niveau. Der Rohüberschuss sank leicht von 447,4 Millionen Euro auf 440,2 Millionen Euro.

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