Green Deal

Anleger kommen an nachhaltigen Fonds nicht mehr vorbei

US-Präsident Joe Biden will eine globale Allianz für den Klimaschutz schmieden. Mit im Boot ist die EU. Von den milliardenschweren Investitionen in erneuerbare Energien werden viele börsennotierte Unternehmen profitieren – und deren Aktionäre.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Als zartes Pflänzchen gestartet, befinden sich Nachhaltigkeitsfonds inzwischen auf dem aufsteigenden Ast.

Als zartes Pflänzchen gestartet, befinden sich Nachhaltigkeitsfonds inzwischen auf dem aufsteigenden Ast.

© mihacreative / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Joe Biden spricht vom „Treffen der Entscheider“. Der US-Präsident hat im April zum ersten Online-Klimagipfel der Geschichte gerufen. Dabei sind alle, die Rang und Namen haben: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Chinas Staatspräsident Xi Jinping, Großbritanniens Premier Boris Johnson, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Indiens Premierminister Narendra Modi und Russlands Präsident Wladimir Putin.

Die Staatenlenker eint ein Ziel: Sie wollen die Treibhausgas- Emissionen verringern, das Klima der Welt schützen. „Wir haben keine Wahl“, sagt Biden und verweist auf den seit Jahrzehnten stetigen Anstieg der globalen Temperatur. „Wir müssen handeln.“

Möglich machen sollen dies milliardenschwere Investitionen in erneuerbare Energien und Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase. Es ist ein globales, milliardenschweres ökologisches Konjunkturprogramm. Zahlreiche börsennotierte Unternehmen und ihre Aktionäre werden davon profitieren, sagt der Kölner Vermögensberater Uwe Zimmer. „Ein grüner US-Präsident lässt Investoren träumen“.

EU will Milliarden investieren

In den vergangenen Jahren haben Anleger bereits immer kräftiger in „grüne Fonds“ investiert, die auf Aktien und Anleihen von Unternehmen setzen, die nachhaltig wirtschaften, um die Umwelt zu schonen. „Legten private Investoren 2018 erst 3,5 Milliarden Euro in Nachhaltigkeitsfonds an, waren es 2019 bereits 8,3 Milliarden Euro und im vergangenen Jahr schließlich 20,6 Milliarden Euro“, so Frank Bock, Sprecher des deutschen Fondsverbands BVI. Parallel dazu stieg die Zahl dieser Fonds kontinuierlich an. „Gab es 2014 erst 26 Nachhaltigkeitsfonds, waren es 2020 schon 249“,weiß Simone Schieg, Analystin der Berliner Ratingagentur Scope.

In den kommenden Jahren dürfte die Anzahl „grüner Fonds“ weiter wachsen – und ebenso das Volumen des Kapitals, das Anleger in diese investieren. Denn diesseits und jenseits des Atlantiks werden gigantische Programme aufgelegt, die börsennotierten Herstellern von Solarzellen, Windkraftanlagen und Turbinen sowie intelligenten Stromsteuerungssystemen, aber auch Produzenten von Elektromobilen und Batterien Umsatz- und Gewinnsteigerungen verheißen. Uwe Zimmer: „Für Anleger öffnet sich ein reiches Füllhorn an Investmentmöglichkeiten.“

Durch die Corona-Pandemie entsteht die Chance zu einer Beschleunigung der nachhaltigen Erneuerung Europas.

Christian Melzer, Ökonom der DekaBank

Die EU will mit dem „European Green Deal“ Milliarden Euro investieren, um bis 2050 in der Staatengemeinschaft die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf Null zu reduzieren. Zudem sollen die Mitgliedsstaaten erhebliche Teile des 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds zur Bewältigung der konjunkturellen Folgen der COVID-19-Pandemie in die Förderung nachhaltiger Wirtschaftsstrukturen investieren. „Durch die Corona-Pandemie entsteht die Chance zu einer Beschleunigung der nachhaltigen Erneuerung Europas“, sagt Christian Melzer, Ökonom der DekaBank in Frankfurt.

Die USA wollen bis 2030 ihren Ausstoß klimaschädlicher Emissionen halbieren. Finanziert werden soll dies unter anderem über die zusammen 4000 Milliarden Dollar schweren Infrastrukturprogramme, die Bidens Regierung derzeit schnürt. Kohlekraftwerke sollen durch Solar-, Wasser- und Windenergie ersetzt werden. Modernisierte Stromtrassen den Energieverbrauch verringern. Auch China, derzeit noch das Land mit dem weltweit höchsten Kohleverbrauch zur Stromerzeugung, will massiv umschwenken. Staats- und Parteichef Xi Jinping sichert beim Gipfel zu, sein Land wolle „Kohlendioxid-Neutralität vor 2060 erreichen“.

Experten raten zu Fonds

Profitieren dürften auch die Hersteller von Technologien für „Smart Citys“ – für intelligente Städte, die mit Sensoren und Steuerungssystemen den Energieverbrauch begrenzen. „Im spanischen Santander wird damit bereits die Straßenbeleuchtung gesteuert, im dänischen Aalborg überprüfen solargetriebene Messstationen die Einhaltung der Grenzwerte bei der Luftverschmutzung“, nennt Dyrk Vieten, Geschäftsführer des Düsseldorfer Vermögensmanagers Ficon, Beispiele. „Das globale Marktvolumen für diese Technologien beträgt 1655 Milliarden Euro.“

Auch Roboter-Produzenten dürften zu den Gewinnern zählen. „Um den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden zu begrenzen, werden künftig Maschinen die Felder bestellen“, sagt Zimmer. „Unkraut wird künftig von Robotern gezupft und nicht mehr weggespritzt.“

Weil es für Anleger kaum möglich ist, auszumachen, welche Unternehmen am stärksten von der „grünen Revolution“ profitieren werden, raten Kapitalmarktanalysten, auf Nachhaltigkeitsfonds zu setzen. Deren Manager streuen das Kapital ihrer Kunden breit über Aktien und Anleihen jener Akteure, die besonders aussichtsreich erscheinen.

Bei den bereits seit einigen Jahren aktiven Fonds können Anleger inzwischen zudem vergleichen, wie erfolgreich deren Manager in der Vergangenheit waren.

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