TSVG-Kritik

Bremer Brandbrief an Minister Spahn

Veröffentlicht: 14.05.2019, 09:33 Uhr

BREMEN. Dr. Thomas Pospiech, Hausarzt in Bremen, ist wütend über die Auswirkungen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) auf seine Praxisorganisation.

Nun hat er an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einen Protestbrief geschrieben und einen zweiten an seine Kollegen in Bremen.

„Wir meinen, dass wir einen guten Job machen“, schreibt Pospiech an Spahn. Die Praxis, die er am südlichen Stadtrand Bremens zusammen mit seiner Frau Dr. Aldona Buchwald-Pospiech führt, öffnet täglich um 7.45 Uhr und schließt selten vor 18 Uhr, schreibt Pospiech.

„Wir haben seit vielen Jahren mit unserem erfahrenen Team ein sehr gut funktionierendes Termin-System implementiert, welches ausdrücklich die Versorgung akuter Notfälle einschließt und die Wartezeiten sehr kurz hält. Eine ‚offene‘ Sprechstunde wäre komplett kontraproduktiv“, so das Schreiben. Er müsse nun, wie bei einer doppelten Buchführung, zwei Terminvergabesysteme nebeneinander führen.

Dabei zeigten die Patientenumfragen, dass die Patienten hoch zufrieden seien mit der Terminvergabe in Pospiechs Praxis, berichtet der Hausarzt der „Ärzte Zeitung“. „Wir brauchen niemanden, der von außen in unsere Terminvergabe hineinregiert!“

Der Hausarzt beschwert sich über „direktive, quasi planwirtschaftliche Eingriffe“ in das Terminsystem. Doch könne man Arztzeit nicht teilen – und wo keine Termine mehr frei sind, da seien keine mehr frei. „Wir müssen heute schon Patienten in andere Praxen schicken!“, sagt Pospiech.

Statt weitere Sprechstunden zu fordern, sollte die Politik besser für mehr Medizinstudienplätze sorgen und die Allgemeinmedizin attraktiver machen, schreibt der Bremer Hausarzt.

An seine Kollegen und die Bremer KV-Spitze richtete Pospiech nun ein zweites Schrieben, in dem er zum Widerstand aufruft. „Wir sollten endlich mal wieder vom Sofa hochkommen, die Komfortzone mal verlassen und in einen Bus nach Berlin steigen und unsere gemeinsame Stärke und Macht zeigen“, so der Brief. „2006 sind wir für viel weniger zur Großdemo nach Berlin gefahren. Und jetzt?“, sagte Pospiech zur „Ärzte Zeitung“. Geantwortet hat Spahn jedenfalls nicht.

Pospiech werde nun keine zusätzlichen Termine anbieten. „Mal sehen, ob sie mich jetzt in Handschellen abführen.“ (cben)

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