TSVG-Kritik

Bremer Brandbrief an Minister Spahn

Veröffentlicht:

BREMEN. Dr. Thomas Pospiech, Hausarzt in Bremen, ist wütend über die Auswirkungen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) auf seine Praxisorganisation.

Nun hat er an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einen Protestbrief geschrieben und einen zweiten an seine Kollegen in Bremen.

„Wir meinen, dass wir einen guten Job machen“, schreibt Pospiech an Spahn. Die Praxis, die er am südlichen Stadtrand Bremens zusammen mit seiner Frau Dr. Aldona Buchwald-Pospiech führt, öffnet täglich um 7.45 Uhr und schließt selten vor 18 Uhr, schreibt Pospiech.

„Wir haben seit vielen Jahren mit unserem erfahrenen Team ein sehr gut funktionierendes Termin-System implementiert, welches ausdrücklich die Versorgung akuter Notfälle einschließt und die Wartezeiten sehr kurz hält. Eine ‚offene‘ Sprechstunde wäre komplett kontraproduktiv“, so das Schreiben. Er müsse nun, wie bei einer doppelten Buchführung, zwei Terminvergabesysteme nebeneinander führen.

Dabei zeigten die Patientenumfragen, dass die Patienten hoch zufrieden seien mit der Terminvergabe in Pospiechs Praxis, berichtet der Hausarzt der „Ärzte Zeitung“. „Wir brauchen niemanden, der von außen in unsere Terminvergabe hineinregiert!“

Der Hausarzt beschwert sich über „direktive, quasi planwirtschaftliche Eingriffe“ in das Terminsystem. Doch könne man Arztzeit nicht teilen – und wo keine Termine mehr frei sind, da seien keine mehr frei. „Wir müssen heute schon Patienten in andere Praxen schicken!“, sagt Pospiech.

Statt weitere Sprechstunden zu fordern, sollte die Politik besser für mehr Medizinstudienplätze sorgen und die Allgemeinmedizin attraktiver machen, schreibt der Bremer Hausarzt.

An seine Kollegen und die Bremer KV-Spitze richtete Pospiech nun ein zweites Schrieben, in dem er zum Widerstand aufruft. „Wir sollten endlich mal wieder vom Sofa hochkommen, die Komfortzone mal verlassen und in einen Bus nach Berlin steigen und unsere gemeinsame Stärke und Macht zeigen“, so der Brief. „2006 sind wir für viel weniger zur Großdemo nach Berlin gefahren. Und jetzt?“, sagte Pospiech zur „Ärzte Zeitung“. Geantwortet hat Spahn jedenfalls nicht.

Pospiech werde nun keine zusätzlichen Termine anbieten. „Mal sehen, ob sie mich jetzt in Handschellen abführen.“ (cben)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Interview mit Johanna Ludwig von der gematik

Digitale Prozesse in der Arztpraxis neu denken

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview mit Johanna Ludwig von der gematik

Digitale Prozesse in der Arztpraxis neu denken

„Unser ältester Patient ist 86!“

Erwachsen mit Mukoviszidose: Versorgung muss sich anpassen

Heimkehrer

Dr. Petrakis’ Weg von Kreta an die Saar – und wieder zurück

Lesetipps
Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist