E-Health

CGM kauft Teile des Geschäfts von Cerner

CompuGroup Medical rechnet nach moderatem Wachstum 2019 auch 2020 mit Zuwächsen. Auf dem Programm stehen zusätzliche Anwendungen für die TI und starkes Wachstum im Klinikgeschäft.

Veröffentlicht: 05.02.2020, 19:14 Uhr

Koblenz. Der Health-IT-Spezialist CompuGroup Medical SE (CGM), in Deutschland auch Marktführer bei Praxis-EDV-Systemen (unter anderem Programme Medistar, Turbomed, Albis und M1), hat am Mittwoch den Erwerb eines Teils des Klinik-IT-Portfolios der Cerner Corporation angekündigt.

Die Hauptprodukte des Portfolios von Cerner in Deutschland und Spanien sind medico und Soarian Integrated Care, führende Klinikinformationssysteme (KIS) in Deutschland, Selene, ein führendes KIS für Kliniken in öffentlicher Trägerschaft in Spanien, und Soarian Health Archive, eine Archivlösung für Einrichtungen im Gesundheitswesen.

Konsolidierung im KIS-Markt

Der Kaufpreis beträgt den Angaben zufolge 225 Millionen Euro. Für 2019 betrug der Umsatz der zu erwerbenden Unternehmensteile von Cerner rund 74 Millionen Euro und der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ungefähr 13 Millionen. Die Übernahme steht unter der Bedingung fusionskontrollrechtlicher Freigabe und wird im dritten Quartal 2020 erwartet. CGM will mit dem Erwerb seinen Kundenstamm im Markt für KIS erweitern und gleichzeitig durch die neuen Mitarbeiter Expertenwissen für die Weiterentwicklung von Programmen hinzugewinnen.

Die Konsolidierung im KIS-Markt setzt sich mit der Übernahme der Cerner-Unternehmensteile weiter fort. Im Dezember war die geplante Übernahme der KIS-Aktivitäten von Agfa-Gevaert („Orbis“) durch die Dedalus Holding bekannt geworden. Schon damals war darauf spekuliert worden, auch die KIS-Teile von Cerner könnten zum Verkauf stehen.

Vier Prozent über Vorjahr

CGM kauft Teile des Geschäfts von Cerner

Frank Gotthardt, CEO von CompuGroup Medical: „Die Digitalisierung der Vernetzung der Gesundheitsprofis und die Einbeziehung der Bürger werden immer mehr zur Realität.“

© CGM

Ebenfalls am Mittwoch legte CGM vorläufige Zahlen für das vierte Quartal und das Jahresergebnis 2019 vor. Demnach lag der Umsatz im Gesamtjahr bei 746 Millionen Euro und damit vier Prozent über Vorjahr. Das Konzernergebnis blieb mit 178 Millionen Euro um fünf Prozent unter Vorjahreswert, aber am oberen Ende der Prognosespanne.

Für das laufende Jahr stellt das im MDax und TecDax notierte IT-Unternehmen wieder deutliches Wachstum in Aussicht. Die Prognosespanne liegt bei einem Umsatz von 765 bis 815 Millionen Euro, was laut CGM einer organischen Wachstumsrate von 0 bis 6 Prozent entspricht. Das EBITDA (Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen) wird zwischen 195 und 215 Millionen Euro erwartet, heißt es. Dabei sind die zur Übernahme avisierten Teile von Cerner nicht eingerechnet.

Großes Plus bei Arztsystemen

CGM sieht in allen Segmenten eine „erfreuliche Entwicklung“. Im größten Segment Ambulatory Information Systems (Arztinformationssysteme, AIS) stiegen die wiederkehrenden Umsätze – vor allem Softwarewartungsgebühren – um 14 Prozent auf 317 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse erreichten insgesamt 416 Millionen Euro.

Insbesondere die Zulassung der gematik für den Einsatz des E-Health-Konnektors werde nach zu absolvierenden Feldtests einen Ausbau medizinischer Anwendungen ermöglichen, so CGM. Mit einer bereits installierten Basis von 54.600 TI-Verbindungspaketen in Arztpraxen und Krankenhäusern sieht sich das Unternehmen als Marktführer auf dem Gebiet der Telematikinfrastruktur in Deutschland.

Das Klinikgeschäft Hospital Information System (HIS) verzeichnete ein Umsatzwachstum von 15 Prozent. Im Apothekengeschäft Pharmacy Information Systems (PCS) erreichte das Umsatzwachstum sechs Prozent. Das EBITDA dieses Segments stieg um sieben Prozent.

Börse honoriert die Neuigkeiten

Das Vernetzungs-Segment Health Connectivity Services wuchs um 19 Prozent und konnte das EBITDA um 25 Prozent steigern. Durch eine Umstrukturierung wurde dieses Segment per 31. Dezember 2019 durch das Segment Consumer and Health Management (CHS) ersetzt. CEO Frank Gotthardt sieht besondere Wachstumschancen in diesem Segment. Es sei „erfreulich, dass die Digitalisierung der Vernetzung der Gesundheitsprofis und die Einbeziehung der Bürger immer mehr zur Realität werden.“

Die Börse honorierte im Handelsverlauf den Erwerb der Cerner-Geschäftsanteile, die Jahreszahlen und die positive 2020er-Aussicht mit einem Kurssprung der CGM-Aktie von gut dreizehn Prozent. Gemeldet wurde am Mittwoch auch, dass Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung im Mai vorschlagen wollen, dass das Unternehmen von einer europäischen Aktiengesellschaft (SE) in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umfirmiert. (syc/ger)

Mehr zum Thema

Gendiagnostik

Reicht die Regulierung für Online-Gentests aus?

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Mit gesundem Lebensstil gegen Krebs

Deutscher Krebskongress

Mit gesundem Lebensstil gegen Krebs

Ist Chlorthalidon doch nicht besser als Hydrochlorothiazid?

Bluthochdruck-Therapie

Ist Chlorthalidon doch nicht besser als Hydrochlorothiazid?

GKV oder PKV oder doch Bürgerversicherung?

„ÄrzteTag“-Podcast

GKV oder PKV oder doch Bürgerversicherung?

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden