Internisten

Coaching statt Feuerwehr-Medizin

Internisten sollten sich viel mehr als bisher für Gesundheitsförderung und Prävention bei ihren Patienten einsetzen. Die Kassenmedizin allein führt dabei allerdings nicht zu befriedigenden Ergebnissen.

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WIESBADEN. "Internisten für den Erhalt von Gesundheit" - so war ein Symposium des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI) beim Internistenkongress überschrieben. Bisher fließe nur ein Prozent der Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung in die Vorsorge und Rehabilitation, so Dr. Eike Langheim, Kardiologe in der kardiologischen Rehaklinik Teltow (Brandenburg), beim Symposium. Zum Vergleich: Ein bis zwei Prozent der Gesundheitsausgaben verschlinge allein die Indikation Herzinsuffizienz.

"Im EBM ist Prävention nur sehr endlich vertreten", lautete passend dazu die Feststellung von Dr. Wolfgang Grebe, Internist und Sportmediziner in Frankenberg (Hessen). So sei der Gesundheits-Check-up - erst ab dem Alter von 35! - schon seit längerem abgespeckt worden. "Wir sind den Patienten mehr schuldig als nur das, was die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt", schloss Grebe daraus.

Auch für Internisten gelte es daher, neue Zielgruppen zu erschließen, so Grebe weiter. Er sieht die Ärzte verstärkt in die Rolle des Gesundheitscoaches hineinwachsen. Grebe hat ein modulares Programm entwickelt, das von Diagnostik über eine ausführliche Beratung bis hin zu Schulungen und einem individuellen Gesundheitsplan reicht - mit dem Ziel, dass die Patienten mehr Eigenverantwortung für ihre Gesundheit übernehmen.

"Ich gebe meinen Patienten so das Gefühl, sie zu coachen, und nicht nur Feuerwehr-Medizin zu betreiben." Durch den modularen Aufbau könne der Umfang der Leistungen auch darauf abgestimmt werden, was der Patient zu bezahlen bereit ist.

Nicht jede IGEL hat auch Zusatznutzen

Nicht alle auf dem IGeL-Markt angebotenen neuen Verfahren bringen laut Grebe einen echten Zusatznutzen. "Wir können die Leitlinien aber nicht ignorieren", betonte der Internist, der als Privatarzt niedergelassen ist. Die Messung der Intima-Media-Dicke oder der Pulswellengeschwindigkeit, der Knöchel-Arm-Index: "Wenn Sie das machen, dann sind Sie viel weiter, als wenn Sie nur ein Ruhe-EKG ableiten", betonte Grebe.

Auch die Bioimpedanzanalyse und die Herzfrequenzvariabilität seien sehr gut einsetzbar, um Erkrankungsrisiken festzustellen. Mehrere Krankenkassen, etwa die Techniker Krankenkasse, seien inzwischen so weit, dass sie präventive Leistungen von Sportmedizinern bezuschussen, berichtete Grebe.

Der Arzt schicke dem Patienten eine Rechnung, die Krankenkasse erstatte einen Teil der Kosten. "Ein Einstieg, vernünftige Medizin zu vernünftigen Honoraren zu machen", kommentierte Grebe.

Prävention und Gesundheitsförderung, so betonte auch Kardiologe Langheim, garantierten nicht ein längeres Leben.

"Aber es kommt nicht immer darauf an, wie lange man mit einer Krankheit lebt, sondern auch, wie gut man damit lebt", so Langheim. Bisher gehe es immer noch viel zu viel um Mortalität und Überlebensraten, zu wenig um Lebensqualität. (ger)

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