Apps

Compliance-Helfer mit Chancen und Risiken

Für Jugendliche sind – gerade in ihrer Sturm- und Drangzeit – chronische Erkrankungen nur schwer zu managen. Forscher haben nun untersucht, inwieweit sie Mobile-Health-Anwendungen unterstützen könnten.

Veröffentlicht: 22.03.2017, 07:55 Uhr

AUCKLAND/NEW ZEALAND. Jugendliche Chroniker können oft nur schwer erfassen, wie sich eine schlechte Therapie-Compliance auf den Verlauf ihrer Erkrankung und damit ihre Zukunft auswirkt. Forscher der University of Auckland wollten daher herausfinden, ob die Smartphone-Generation beim Selbstmanagement nicht durch Apps und andere Mobile-Health-Anwendungen unterstützt werden könnte.

115 junge Patienten mit Typ 1 Diabetes (16 bis 24 Jahre) wurden befragt, inwieweit sie bereits auf die mobile Technik beim Diabetesmanagement setzen und wo eine sinnvolle Hilfe ansetzen sollte (Dobson R, Whittaker R, Murphy R, Khanolkar M, Miller S, Naylor J, Maddison R; The Use of Mobile Health to Deliver Self-Management Support to Young People With Type 1 Diabetes: A Cross-Sectional Survey; JMIR Diabetes 2017;2(1):e4).

Obwohl alle Befragten ein Handy und 96 Prozent sogar ein Smartphone besitzen, hat gerade einmal ein Drittel Erfahrungen mit Apps zum Diabetesmanagement oder nutzt diese auch aktiv. Im Schnitt sind dabei zwei Apps im Einsatz. Allerdings findet jeder Zweite die genutzten Apps lediglich ein wenig hilfreich. Nur ein Viertel wertet sie als sehr hilfreich.

Genutzt werden die mobilen Anwendungen vor allem dazu, Diabetesdaten zu erfassen und zu beobachten, fürs Insulinmanagement und für ein generelles Krankheitsmanagement, wenn die Jugendlichen unterwegs sind. Als Vorteil wird zudem gewertet, dass die Jugendlichen verschiedene Verlaufsmuster durch die Darstellung in Grafiken für sich besser erfassen können.

Insgesamt fühlten sich die jungen Patienten zwar im Selbstmanagement sicher, dennoch gaben 63 Prozent an, dass sie gerne mehr über ihre Erkrankung und auch die Selbstkontrolle erfahren würden. Über 60 Prozent würden gerne Textnachrichten via SMS erhalten: Darunter 77 Prozent mit konkreten Tipps fürs Selbstmanagement, 68 Prozent wünschen sich Motivationsnachrichten, 61 Prozent Erinnerungen für die Blutzuckermessung und die Hälfte Informationen über Diabetes. Gefragt nach den Bereichen des Selbstmanagements, die sie am schwierigsten finden, antworteten fast 48 Prozent, an die Blutzuckermessung zu denken, 35 Prozent auf die richtige Ernährung zu achten und 27 Prozent, regelmäßig sportlich aktiv zu sein.

Etliche Punkte also, in denen mobile Diabetes-Anwendungen nachgebessert werden könnten. Vor allem sollten die Textnachrichten personalisiert sein. Die "eine passt für alle"-Philosophie von Apps gehe beim Diabetesmanagement nicht auf, so die Studienautoren. Bei allen positiven Effekten von mobile Health: Eine Gefahr sehen die Forscher darin, dass die meisten Apps, die die jungen Patienten bei ihrem Insulinmanagement unterstützen sollen, keinen Schutz vor falschen Dosierempfehlungen enthalten. Auch hier besteht Nachbesserungsbedarf.(reh)

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