Zwischenbilanz

Corona-Lockdown und Homeoffice sorgen für weniger Arbeitsunfälle

Die Corona-Pandemie hat neben vielen Schattenseiten auch etwas Gutes: Es gab weniger Arbeitsunfälle. Bei der Zahl der Verdachtsanzeigen auf COVID-19-bezogene Berufskrankheiten sieht das anders aus.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Alles zum Schutze getan und dann doch erwischt? Die Zahl der Anerkennung von COVID-19 als Berufskrankheit steigt bei Angehörigen der Gesundheitsberufe.

Alles zum Schutze getan und dann doch erwischt? Die Zahl der Anerkennung von COVID-19 als Berufskrankheit steigt bei Angehörigen der Gesundheitsberufe.

© seligaa / stock.adobe.com

Berlin. Die Anerkennung einer COVID-19-Erkrankung als Berufskrankheit (BK) bei Beschäftigten in stationären oder ambulanten medizinischen Einrichtungen und in Laboratorien nimmt rasch zu. Stand 25. September haben die gewerblichen Berufsgenossenschaften und die Unfallkassen laut Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung (DGUV) 19.573 Anzeigen auf Verdacht einer BK im Zusammenhang mit COVID-19 an die DGUV gemeldet.

Rund 11.300 davon seien bislang entschieden worden. In 8545 Fällen sei das Vorliegen einer Berufskrankheit anerkannt worden – zum Stichtag 3. Juli, als die „Ärzte Zeitung“ bundesweit erstmals die Zahlen abfragte, waren von den Unfallversicherungsträgern in Deutschland in 5762 Fällen nach Verdachtsmeldung COVID-19 als Berufskrankheit (BK) anerkannt worden.

Insgesamt hat die Corona-Pandemie laut DGUV im ersten Halbjahr 2020 das Unfall- und Erkrankungsgeschehen bei der Arbeit deutlich beeinflusst, wie aus vorläufigen Zahlen hervorgeht. Während die Zahl der Arbeits-, Schul- und Wegeunfälle stark zurückging, gab es einen deutlichen Anstieg bei der Zahl der gemeldeten Berufskrankheiten.

Rückgang bei tödlichen Arbeitsunfällen nur teils der Pandemie geschuldet

Laut Statistik der DGUV sank die Zahl der Arbeitsunfälle von 432.684 auf 367.016 (-15,2 Prozent), die Zahl der meldepflichtigen Wegeunfälle ging um rund 20 Prozent zurück. Noch stärker sanken die Zahlen in der Schüler-Unfallversicherung. Gab es im ersten Halbjahr 2019 noch 584.763 Schulunfälle, so waren es in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 nur noch 301.543 – ein Minus von fast 50 Prozent. Auch die Zahl der Schulwegunfälle ging um fast die Hälfte zurück – von 50.479 im ersten Halbjahr 2019 auf 26.881 im ersten Halbjahr 2020.

Die Zahl der Beschäftigten, die auf ihrem Weg zur oder von der Arbeit einen tödlichen Unfall erlitten, ging um rund ein Fünftel auf 106 zurück. Die Zahl derjenigen, die bei einem Arbeitsunfall starben, verringerte sich um fast ein Drittel – von 251 im Vorjahreszeitraum auf 171 in diesem Jahr.

Der starke prozentuale Rückgang bei den tödlichen Arbeitsunfällen sei, wie die DGUV betont, jedoch nur zum Teil der Pandemie geschuldet. 2019 habe die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle außergewöhnlich hoch gelegen. Grund hierfür sei gewesen, dass durch den Abschluss von Strafprozessen einige Todesfälle aus den Jahren 2000 bis 2005 erst 2019 in die Statistik aufgenommen worden seien.

„Die Corona-Pandemie hat mittelbar deutliche Spuren im Unfallgeschehen hinterlassen“, kommentiert DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Hussy. Und ergänzt: „Der Grund hierfür dürfte zum einen die große Zahl der Beschäftigten sein, die in Kurzarbeit gegangen sind. Zum anderen sind Millionen Beschäftigte ins Homeoffice gewechselt, was ihr Wegeunfallrisiko praktisch ausgeschaltet hat. Die Zahlen überraschen daher eigentlich nicht.“ Gleiches gelte für die Schüler-Unfallversicherung. Hier habe die fast vollständige Schließung von Kitas, Schulen und Hochschulen zu einem historisch einmaligen Rückgang der Unfallzahlen geführt.

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