Digitalisierung

Deutschland schwächelt bei E-Health

Bei der digitalen Gesundheit hinkt das deutsche Gesundheitswesen gehörig hinterher, zeigt ein internationaler Vergleich der Bertelsmann Stiftung. Ihr Ergebnis: Deutschland ist Vorletzter.

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Im deutschen Gesundheitswesen läuft noch viel über Gedrucktes. Andere Länder sind da laut der Studie der Bertelsmann Stiftung weiter.

Im deutschen Gesundheitswesen läuft noch viel über Gedrucktes. Andere Länder sind da laut der Studie der Bertelsmann Stiftung weiter.

© Michaela Illian

GÜTERSLOH/BERLIN. Der digitale Fortschritt kommt in Deutschland nicht bei den Patienten an. Dieses ernüchternde Fazit zieht die Bertelsmann Stiftung in einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung zum digitalen Wandel im Gesundheitswesen.

Ergebnis: Deutschland kommt auf Rang 16 von 17 untersuchten Ländern (siehe nachfolgende Grafik).

Die Stiftung hat dabei nach eigenen Angaben analysiert, wie aktiv die Gesundheitspolitik in den Ländern bei der Digitalisierung handelt: Welche Strategien gibt es, welche funktionieren? Welche technischen Voraussetzungen sind vorhanden und inwieweit werden neue Technologien tatsächlich genutzt?

Die Studienautoren weisen noch einmal auf das Potenzial hin, dass digitale Gesundheitslösungen wie zum Beispiel elektronische Patientenakten haben, die gefährliche Arzneimittel-Wechselwirkungen verhindern können, oder auch die Telemedizin, die Patienten ortsunabhängig mit medizinischen Experten zusammenbringt, oder Gesundheits-Apps, die chronisch Kranke stärken können.

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„Während Deutschland noch Informationen auf Papier austauscht und an den Grundlagen der digitalen Vernetzung arbeitet, gehen andere Länder schon die nächsten Schritte. Mediziner in Israel beispielsweise setzen systematisch Künstliche Intelligenz etwa zur Früherkennung von Krebserkrankungen ein. Unsere Gesundheitspolitik muss entschlossener handeln als in der Vergangenheit und ihre Führungsrolle bei der Gestaltung der Digitalisierung weiter ausbauen – nicht als Selbstzweck, sondern zum Nutzen der Patienten“, kommentiert Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Damit der digitale Wandel den notwendigen Schub erhalten kann, gibt die Bertelsmann Stiftung den gesundheitspolitischen Akteuren Handlungsempfehlungen an die Hand:

»Politische Führung ausbauen: Die Politik müsse in puncto digitalem Gesundheitswesen entschlossener handeln als in der Vergangenheit.

»Nationales Kompetenzzentrum etablieren: Entscheidend für die erfolgreiche Digitalisierung sei die Koordination der Prozesse von zentraler Stelle. Das Kompetenzzentrum sollte bestehende Institutionen, Interessengruppen, Experten und Nutzer einbinden sowie verantwortlich sein für die Standardisierung digitaler Anwendungen und die Definition von Schnittstellen. Es sollte politisch gesteuert und unabhängig von Akteursinteressen getragen werden.

»Entwicklungen Schritt für Schritt angehen: Einzelne Behandlungsbereiche und Prozesse sollten gezielt angegangen werden – in pragmatischen Schritten. „Handlungsleitend sollten dabei die erwartete Verbesserung der Versorgung sowie mögliche Effizienzgewinne sein“, heißt es.

»Patienten und Ärzte als Nutzer systematisch einbeziehen: Bei der Entwicklung von Teilstrategien sowie digitalen Anwendungen und Prozessen seien die Nutzer wie Patienten und Ärzte direkt und nicht deren Standesvertreter einzubeziehen. Der Nutzen von Anwendungen sollte früh sichtbar werden.

»Akzeptanz fördern: Digitaler Wandel brauche Akzeptanz und eine breit geteilte Zielvorstellung. Die Politik sollte ihre dahingehende Kommunikation als strategische Aufgabe begreifen und angehen.

»Eine große Akzeptanz für das digitale Gesundheitswesen herrscht indes schon vor. So ergab eine jüngst veröffentlichte repräsentative Bevölkerungsbefragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, dass mehr als zwei Drittel zum Beispiel den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Medizin – bei der ärztlichen Diagnostik – und Pflege – Stichwort assistive Systeme – befürworten. (maw)

Wir haben den Beitrag aktualisiert und verlängert am 29.11.2018 um 11:34 Uhr.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Analoger statt digitalem Frust

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