BMC-Kongress

Digitale Innovationen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter

Managed Care geht weit über eine ärztliche Betreuung von Patienten hinaus: Spielen, backen, Bewegung – damit Senioren zu Hause gesund und aktiv bleiben, gibt es viele digitale und analoge Angebote.

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In Corona-Zeiten müssen auch Senioren auf digitale Spielrunden ausweichen.

In Corona-Zeiten müssen auch Senioren auf digitale Spielrunden ausweichen.

© M. Schuppich / stock.adobe.com

Berlin. Wie kann selbstbestimmtes Leben im Alter aussehen? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein Online-Panel beim BMC-Kongress. Im Mittelpunkt standen dabei gesundheitsfördernde und -erhaltende Maßnahmen von Präventions- und Unterstützungsmöglichkeiten im Quartier bis hin zu digitalen Innovationen – weit über die Betreuung von Patienten durch Ärzte oder Case-Manager hinaus.

Das Hamburger Pilotprojekt „Netzwerk gesund aktiv“ hat sich die Gesundheitsförderung von Senioren im Quartier zum Ziel gesetzt. „Wir wollen die Pflegebedürftigkeit von älteren Menschen vermeiden und ihnen dabei helfen, möglichst lange in ihrem eigenen Haushalt zu leben“, sagte Projektmanagerin Heike Unland. Koordinierende Stelle ist das Albertinenhaus in Eimsbüttel.

An dem früheren Innovationsfondsprojekt nehmen derzeit rund 800 Senioren teil. Diese können Bewegungsangebote nutzen wie zum Beispiel Tai Chi im Park oder Wiedereinsteigerkurse für Fahrradfahrer. Ein interprofessionelles Team aus Fachärzten für Geriatrie, Physiotherapeuten und Sozialarbeiter kümmert sich um die Männer und Frauen.

Wichtiger Baustein ist der Persönliche Assistent für Unterstütztes Leben (PAUL), der als App oder im Webportal nutzbar ist. Für die Teilnehmer gibt es beispielsweise ein Schwarzes Brett oder die Online-Sprechstunde mit Hausärzten. Spezielle IT-Thementage helfen den Senioren, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden. Der Zuspruch sei riesig. „Wir hoffen, dass dadurch Kosten für die Krankenkassen eingespart werden können“, so Heike Unland.

Feste Spiel-Termine

Der Pflegedienst Home Instead setzt ganz auf den Spieltrieb der Patienten. Seinen rund 30.000 Kunden bietet das Unternehmen virtuelle und moderierte Gruppen. Auch hier gilt es, Einsamkeit durch Gemeinschaft zu vermeiden. Helfen sollen strukturierte Tage mit festen Terminen. So gibt es regelmäßige Skatrunden, es wird Stadt-Land-Fluss gespielt und demnächst auch „Wer bin ich“. Alles zu festen Uhrzeiten und mit Begleitung durch einen Betreuer.

Ob basteln, backen oder erzählen – es gilt der 1-Click-Ansatz, um auch weniger technisch Versierte mitzunehmen. „Die Finanzierung der notwendigen Endgeräte ist jedoch Privatvergnügen“, berichtete Thomas Eisen von Home Instead.

Werbung für ein besseres Berufsbild

Für einen Perspektivwechsel in der Pflege warb bei der BMC-Veranstaltung der Unternehmensberater und Pflegeexperte Rudolf Bönsch. Das deutsche Pflegesystem sei stark ideologisch aufgeladen, betonte er. Zu den prägenden Merkmalen gehörten eine fehlende Bedarfsdeckung, Misstrauenskultur, Pauschalierungen wie „pflegen kann jeder“ sowie ein veraltetes Familien-, Frauen- und Gesellschaftsbild.

„Wir müssen das Berufsbild Pflege konsequent verbessern“, forderte er. Wichtig seien Verbesserungen im Bereich medizinischer Delegation sowie bei Ausbildung und Bezahlung. „Die Pflege muss den richtigen Stellenwert bekommen, das ist die größte Herausforderung der nächsten 20 Jahre.“ (kaha)

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