Notfallmedizin

Digitaler Draht zwischen Rettungswagen und Klinik

Wenn Notfallpatienten vom Unfallort in die Klinik eingeliefert werden, liegen Ärzten am Klinikum München dank eines NIDA-Pads bereits relevante Daten wie Blutdruck oder Puls vor.

Von Christina Bauer Veröffentlicht:
Dr. Ulrich Heindl kann am Bildschirm Daten des Patienten vor dessen Eintreffen in der Klinik ablesen.

Dr. Ulrich Heindl kann am Bildschirm Daten des Patienten vor dessen Eintreffen in der Klinik ablesen.

© cmb, Christina Bauer

MÜNCHEN. Blutdruck, Puls, EKG – solche Daten möchten Ärzte von Notfallpatienten haben. Je früher, desto besser. Am Klinikum München helfen dabei jetzt NIDA-Pads. NIDA steht für "Notfall-Informations- und Dokumentations-Assistent". Die Rettungsdienste verwenden diese vom Zentrum für Telemedizin hergestellten Spezial-Notepads schon seit einigen Jahren bayernweit.

Bisher wurden sie aber nur zur elektronischen Dokumentation und Abrechnung eingesetzt. Jetzt werden sie zum Kommunikations-Tool zwischen Rettungswagen und Klinik. "Sie bringen den Klinikarzt an die Unfallstelle", konstatierte Dr. Ulrich Heindl jüngst bei der Projektvorstellung.

Heindl ist leitender Oberarzt im Notfallzentrum des Klinikums Harlaching. Dieser Standort des Städtischen Klinikums München testete die neuen Funktionen als erstes. Die Erprobung startete im August 2017. Seitdem erfassen die teilnehmenden Rettungskräfte per Pad Basisdaten und Vitalwerte der Patienten. Sie können damit auch Fotos von Unfallort oder Verletzungsmustern machen. Die Pads enthalten SIM-Karten. So können die Helfer alle Daten verschlüsselt über das Mobilfunknetz an die Klinik senden.

Besser auf Patienten vorbereitet

Dort landen sie auf dem mit einer entsprechenden Software ausgerüsteten Klinik-Computer. Zugleich werden sie in der Notaufnahme auf einem Großbildschirm, dem "NIDA Arrivalboard", gelistet. Das Klinik-Team kann jederzeit ablesen, wann welcher Notfallpatient mit welchem Beschwerdebild eintreffen soll.

Zudem bekommen die Patienten je nach Dringlichkeit Markierungen nach dem Ampelsystem. Personal, Räume und Ausrüstung können entsprechend vorbereitet werden. So ist etwa frühzeitig klar, ob das Herzkatheter-Labor oder die Stroke Unit benötigt wird. Das spart Zeit, die vor allem bei schweren Notfällen, wie einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder Trauma, einen enormen Unterschied machen kann. Bis zu dreißig Minuten früher kann beispielsweise die Therapie nach einem Herzinfarkt beginnen.

Je mehr die Klinikärzte vorab wissen, desto besser sind ihre Chancen, sofort richtig zu behandeln. Mancher Notfallpatient zeigt womöglich nach einem Autounfall kaum sichtbare Verletzungen. Dann können Fotos von Unfallstelle und Wagen Ärzten helfen, das Risiko innerer Verletzungen besser einzuschätzen. "Für uns (…) ist ganz entscheidend, welche Informationen am Unfallort vorliegen", betont Professor Christoph Dodt, Chefarzt des Notfallzentrums am Klinikstandort Bogenhausen.

Auch Rettungskräfte sparen Zeit

Die Rettungskräfte, die den Patienten in die Klinik bringen, sparen durch die digital optimierte Rettungskette ebenfalls Zeit. Das hilft anderen Patienten. "Wir sind für einen neuen Einsatz schneller wieder einsetzbar", berichtete Christoph Schröer, Abteilungsleiter des Rettungsdienstes des MKT Krankentransports.

Die beiden Rettungsdienste von MKT Krankentransport und dem Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes wirkten am Pilotprojekt in Harlaching mit. Drei Rettungswägen wurden dafür ausgerüstet und die Sanitäter geschult. Inzwischen haben sie das neue System bei 600 Patienten angewendet.

Genug, damit alle Beteiligten Erfahrungswerte sammeln konnten. Ab Januar sollen nun die drei anderen Klinikstandorte in Bogenhausen, Neuperlach und Schwabing das System übernehmen. Gleiches gilt für die anderen fünf Rettungsdienste. Etwa 1000 Rettungskräfte aller Dienste werden den Umgang mit den neuen Funktionen der Pads in nächster Zeit trainieren. Dann können sie diese in den etwa 50 in München eingesetzten Rettungswägen nutzen.

Die Kliniken müssen die erforderliche IT-Infrastruktur in ihren Häusern finanzieren. Von einer geringen sechsstelligen Summe spricht Dietmar Pawlik, der Geschäftsführer des Münchner Klinikums. Angesichts der Verbesserungen für die Notfallversorgung lohne sich diese Investition.

Einige bayerische Krankenhäuser, etwa in Agatharied, haben das neue NIDA-System schon früher implementiert. In München ist das Städtische Klinikum eines der ersten. Weitere könnten folgen. "Die anderen Kliniken werden die Vorteile sehen und sich in dieser Richtung entscheiden", vermutet Sönke Lase, Leiter des Rettungsdienstes beim BRK-Kreisverband.

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