Fachberufekonferenz

Digitalisierung fehlt in der Ausbildung bei Gesundheitsberufen

Mitarbeiter im Gesundheitswesen seien auf den digitalen Wandel nicht adäquat vorbereitet, so der Tenor der Konferenz der Fachberufe auf ihrer Jahrestagung.

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zwei Auszubildende hinter Laptops in einem Klassenzimmer, die eine lacht, die andere blickt konzentriert.  Nicht alle Auszubildenden in Gesundheitsberufen sind auf den digitalen Wandel vorbereitet. Die Fachberufekonferenz setzt sich daher für zielgerichtete Fördermaßnahmen ein.

Nicht alle Auszubildenden in Gesundheitsberufen sind auf den digitalen Wandel vorbereitet. Die Fachberufekonferenz setzt sich daher für zielgerichtete Fördermaßnahmen ein.

© Hauke-Christian Dittrich / picture alliance

Berlin. Wie verändert die Digitalisierung die gesundheitliche Versorgung von Patientinnen und Patienten? Welche neuen Anforderungen stellt sie an die Gesundheitsfachberufe? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die von der Bundesärztekammer initiierte Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen auf ihrer Jahrestagung am Freitag. Die ständige Einrichtung von 42 Verbänden will den Dialog und die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachberufen verbessern.

„Die Digitalisierung des Gesundheitssystems bringt einschneidende Veränderungen mit sich. Das gilt auch mit Blick auf die Kooperation zwischen den Gesundheitsfachberufen“, wird Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer und Vorsitzende der Fachberufekonferenz in einer BÄK-Pressemitteilung zitiert.

„Im Sinne bestmöglicher Patientenversorgung und Patientensicherheit sind alle Gesundheitsfachberufe aufgerufen, ihr Wissen und ihre Fertigkeiten beim Einsatz digitaler Instrumente weiter zu vertiefen“, forderte Lundershausen. Dies müsse unbedingt mit der gebotenen Sorgfalt und ohne Druck von außen geschehen. In diesem Zusammenhang verwies sie auf den diesjährigen 124. Deutschen Ärztetag in Berlin, der vor einer in erster Linie politisch motivierten Digitalisierung ohne Rücksicht auf Nutzen und Praxistauglichkeit gewarnt hatte.

Norbert Butz, Telematik-Beauftragter der Bundesärztekammer, rief die Kassen zu einer Kommunikationsoffensive auf, um ihre Versicherten über die Neuerungen zu informieren. Gleichzeitig warnte er davor, dass gerade ältere Patientinnen und Patienten den Anschluss an die digitale Versorgungswelt verlieren könnten. So besäßen mehr als die Hälfte der über 65-jährigen kein für den Zugriff auf digitale Patientenakten und Rezepte taugliches Smartphone. „Damit besteht die Gefahr, dass die Transformation des Gesundheitswesens an einer wichtigen Zielgruppe vorbeigeht“, so Butz.

Digitalisierung als Hilfe bei der Versorgung älterer Menschen

Wie die Digitalisierung bei der Versorgung älterer Menschen helfen kann, erläuterte Stefan Schmidt, Professor für Pflege- und Versorgungskonzepte an der Hochschule Neubrandenburg. „Moderierte Videokonferenzen können soziale Kontakte fördern“, so Schmidt. Derzeit untersucht er im Rahmen eines Forschungsprojekts den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis.

„IT-Technik wird gezielt eingesetzt, um Kommunikations- und Austauschmöglichkeiten zwischen zu Pflegenden und dem Versorgungsumfeld anzubieten.“ Das ermögliche unverzügliche Rückmeldungen und erhöhe damit die Sicherheit. Online-Konsultationen und Videoanrufe würden vermehrt in der Primär- und Sekundärversorgung eingesetzt.

Laut Mitteilung ist bei der Veranstaltung deutlich geworden, dass es bislang an einer Digitalisierungsstrategie in der Aus-, Weiter- und Fortbildung für die Gesundheitsfachberufe mangele. Die in den Gesundheitsfachberufen Tätigen seien auf den digitalen Wandel des Gesundheitssystems nicht angemessen vorbereitet, so die Konferenz. Notwendig sei die Weiterentwicklung der bildungsrelevanten Rahmenbedingungen mit strategischen Programmen und zielgerichteten Fördermaßnahmen. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hatte kürzlich angekündigt, die berufliche Ausbildung stärker digital aufstellen zu wollen. (kaha)

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