Kliniken

Digitalisierungsgrad hängt von IT-Kräften ab

Digitalisierung ist in den meisten Krankenhäusern noch immer Zukunftsmusik. Grund dafür sind fehlendes IT-Fachpersonal und mangelnde Finanzmittel.

Veröffentlicht: 05.03.2020, 16:16 Uhr

84 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland hatten im vergangenen Jahr noch immer kein Patientenportal. Fast jedes zweite Haus verzichtet auf das telemedizinische Patientenmonitoring sowie Telekonsile. Trainings- und Therapieanwendungen finden bei fast 80 Prozent der Krankenhäuser nicht statt.

Die Hauptursache dafür sehen die Klinikmanager in fehlendem IT-Fachpersonal und mangelnden finanziellen Mitteln. Das zeigt die nach eigenen Angaben branchenrepräsentative Studie „Digitalisierung der Krankenhäuser“ der BDO Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI).

„Der Fachkräftemangel bzw. Stellenbesetzungsprobleme bilden eine zentrale Herausforderung für die stationäre Krankenhausversorgung in Deutschland“, konstatieren die Verfasser der Studie. Vor diesem Hintergrund sollten die befragten Klinikmanager angeben, inwieweit sie auch im Bereich der IT Probleme haben, offene Stellen zu besetzen.

In kleinen Häusern bleibt mehr als jede fünfte IT-Stelle vakant

Der Fachkräftemangel in der IT wurde dabei darüber gemessen, dass offene Stellen (wieder) besetzt werden sollen, aber mangels (geeigneter) Bewerber kurzfristig nicht besetzt werden können bzw. längere Zeit vakant bleiben. Aussagen dazu, inwieweit die aktuellen Stellenpläne bedarfsgerecht sind, würden damit explizit nicht getroffen. Zum Erhebungszeitpunkt im Sommer 2019 hatte demnach fast jedes zweite Krankenhaus (47 Prozent) Probleme, offene Stellen für IT-Fachkräfte zu besetzen. Vor allem bei den größeren Krankenhäusern ab 600 Betten fielen die Stellenbesetzungsprobleme mit 71 Prozent deutlich überproportional aus, heißt es. Am besten dran waren dabei die Häuser mit 300 bis 599 Betten – hier hatten „nur“ 37,7 Prozent der Einrichtungen Probleme, Stellen für IT-Fachkräfte mit geeigneten Bewerbern zu besetzen.

Betrachtet man den Anteil der nicht-besetzten IT-Stellen an der Gesamtstellenzahl in der jeweiligen Abteilung, so sind die großen Häuser wiederum besser dran als die kleineren – im Mittel können sie 9,5 Prozent der IT-Stellen nicht besetzen. Bei den Krankenhäusern mit 100 bis 299 Betten sind es hingegen 23,3 Prozent – dort bleibt also mehr als jede fünfte IT-Stelle vakant.

Im Konkurrenzkampf mit anderen Branchen

Offensichtlich mangelt es den IT-Fachstellen in deutschen Kliniken aus Sicht geeigneter Bewerber an Attraktivität. So nannten 90 Prozent der befragten Klinikmanager die deutlich schlechtere Bezahlung im Vergleich zu sonstigen Branchen als Hauptursache für das Desinteresse entsprechend qualifizierter IT-Fachkräfte an der Beschäftigung im Krankenhausbereich – Besserung ist für die meisten nicht in Sicht.

81 Prozent der Befragten gaben die wenig flexiblen Tarifstrukturen im Krankenhaus als maßgebliche Ursache des Fachkräftemangels in der IT an. Konkret sei seit 2016 die Anzahl der Bewerbungen für IT-Fachkraftstellen in mehr als der Hälfte der Krankenhäuser (52 Prozent) gesunken. Erschwerend komme hinzu, dass nur wenige Fachkräfte am Markt über das spezifische Anforderungsprofil an die Krankenhaus-IT verfügten, wie 77 Prozent der Klinikmanager schätzten. Auch die Überlastung der IT-Mitarbeiter angesichts von offenen IT-Stellen bilden nach Auffassung von mehr als der Hälfte der Krankenhäuser eine Ursache für den Fachkräftemangel in der Krankenhaus-IT.

Ein Trostpflaster bleibt für die Krankenhausmanager: So habe es 2018 über alle Kliniken hinweg betrachtet in 58,4 Prozent der Häuser keine Fluktuation bei ihren IT-Fachkräften gegeben. Bei den Einrichtungen mit mehr als 600 Betten waren es allerdings nur 45,8 Prozent. Hier ist der Druck groß – zumindest wenn die betreffende Klinik zu den Kritischen Infrastrukturen zählt. (maw)

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