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Vernetzung

E-Fallakte 2.0 bricht Sektorengrenzen auf

Mit EFA 2.0 sollen Kliniken und Praxen in wenigen Wochen nicht nur systemunabhängig gemeinsame Patienten- und Fallakten nutzen können. Der neue Standard soll auch in Sachen Datenschutz helfen.

Rebekka HöhlVon Rebekka Höhl Veröffentlicht:
Schon im nächsten Jahr könnte Praxen und Kliniken die neue e-Fallakte 2.0 zur Verfügung stehen.

Schon im nächsten Jahr könnte Praxen und Kliniken die neue e-Fallakte 2.0 zur Verfügung stehen.

© flydragon / shutterstock.com

Neu-Isenburg. Für einrichtungs- und sektorübergeifende elektronische Fallakten (EFA) steht Praxen und Kliniken bis Ende September ein neuer Standard zur Verfügung. Denn bis dahin sollen die Spezifikationen von EFA 2.0 und das IHE-Cookbook stehen.

Und das könnte einen erheblichen Vorteil für die Vernetzung bringen: "Aus Sicht der Informationsflüsse hebt die EFA die Trennung zwischen ambulantem und stationärem Sektor in Deutschland völlig auf", sagt Dr. Winfried Seibert, der als stellvertretender Leiter Klinische Systeme am Städtischen Klinikum München bereits ein EFA-Projekt für Darmkrebspatienten realisiert hat.

"Wenn Systeme die EFA 2.0 und das IHE-Cookbook unterstützen, benötigen Kliniken und Arztpraxen endlich keine teuren Individuallösungen mehr, um in Versorgungsnetzen auch die Datenschutzanforderungen adäquat zu realisieren."

Cookbook gibt Empfehlungen zur Datensicherheit

Wie Andreas Kassner, Geschäftsführer von IHE Deutschland e.V., erklärt, bietet das IHE-Cookbook Umsetzungsempfehlungen in Sachen Datenschutz und -sicherheit sowohl für einrichtungsübergreifende und persönliche Patientenakten als auch für fallbezogene Akten - also die klassische EFA.

Dabei ist die IHE-konforme Fallakte (IHE steht für die internationale Initiative "Integrating for Healthcare Enterprise") ein Gemeinschaftsprojekt von gleich drei Organisationen.

An EFA 2.0 und dem Cookbook haben nämlich der Verein Elektronische FallAkte e.V., der Bundesverband Gesundheits-IT - bvitg e.V. und IHE Deutschland e.V. mitgearbeitet. In dem gesamten Prozess sei aber auch die Industrie von Beginn an einbezogen worden, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Daher gehen die Verbände davon aus, dass die Hersteller die IHE-Profile zeitnah in ihre Systeme integrieren werden. "Viele Hersteller haben bereits entsprechende Produkte in der Entwicklungspipeline," sagt Kassner.

Er rechnet bereits 2014 mit ersten Markteinführungen. Und die drei Verbände gehen davon aus, dass sich die neuen IHE-Profile künftig auch stärker in den Praxis-Systemen wiederfinden werden und nicht allein dem Kliniksektor vorbehalten bleiben.

EFA 2.0 bietet einen ganzen Bausteinkasten

In jedem Fall lautet die Empfehlung der Verbände, bei der Neubeschaffung von Aktensystemen die Unterstützung dieser Standards ausdrücklich einzufordern. "Als Basis für die herstellerübergreifende Interoperabilität dienen heute zumeist IHE-Profile.

Mit solchen Systemen sind Kliniken bei Investitionen auf der sicheren Seite", so Volker Lowitsch, 1. Vorsitzender des Vereins Elektronische FallAkte. e. V. und Leiter des Geschäftsbereichs IT am Universitätsklinikum Aachen. Gleiches dürfte aber auch für vernetzungswillige Ärzte gelten.

Spannend ist, dass nach den Angaben der drei Verbände sämtliche Aspekte der EFA 2.0 jetzt als funktionale Bausteine und Prozesse definiert sind - von der Nutzerschnittstelle für den Arztarbeitsplatz über den Zugriff auf Dokumentenarchive bis zum Providerbetrieb.

"Diese können ganz nach Bedarf miteinander kombiniert werden", erklärt Dr. Jörg Caumanns vom Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS), Berlin, der im Autorenteam von "EFA on top of IHE" die EFA 2.0-Entwicklung mitverantwortet.

"Das erleichtert vielen Systemherstellern die Umsetzung." Wichtig ist zudem: EFA 2.0 soll funktional voll kompatibel zu bisherigen EFA-Schnittstellen und EFA-Netzen sein, sagt Lowitsch.

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