Existenzgründungsanalyse

Eine Apotheke zu übernehmen ist günstiger geworden

Die Preise für Apotheken-Übernahmen sind im vergangenen Jahr gesunken, berichtet die apoBank. Die Auswirkungen der Corona-Krise auf Apotheken-Gründungen ist laut ihrer Analyse noch nicht absehbar.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 02.08.2020, 10:10 Uhr
Eine Apotheke zu übernehmen ist günstiger geworden

Neu am Start? Der Übernahmepreis für Apotheken sank 2019 im Vergleich zum Vorjahr drastisch.

© mcbrugg / Getty Images / iStock

Düsseldorf. Nach einem Peak in 2018 sind die Preise für Apothekenübernahmen 2019 wieder gesunken, wie eine Analyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) zeigt.

Die Auswertung der rund 350 bankseitig begleiteten Apothekenübernahmen ergab, dass Existenzgründer im vergangenen Jahr für die Übernahme einer Apotheke im Schnitt rund 367.000 Euro auf den Tisch blättern mussten – 2018 waren es noch 458.000 Euro. Nahezu konstant geblieben sind die notwendigen Investitionen in Baumaßnahmen etc., die sich 2019 auf 139.000 Euro beliefen – 1000 Euro mehr als 2018.

Apotheker, die sich für die Selbstständigkeit entscheiden oder Filialen gründen, übernehmen in der Regel bestehende Apotheken am Markt. Neugründungen sind selten, so die apoBank. Dieser Trend zeigt sich unverändert seit vielen Jahren.

Überangebot an Apotheken

„Ob die Übernahmepreise sich in Zukunft auf niedrigerem Niveau einpendeln oder sogar noch weiter fallen, bleibt abzuwarten“, verdeutlicht Daniel Zehnich, Leiter des Bereichs Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik bei der apoBank.

„Insgesamt haben wir seit Jahren ein Überangebot an Apotheken. Vor allem viele kleine Offizine haben gerade Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. Relevant für die Niederlassung sind ja auch immer die Rahmenbedingungen und die Perspektiven“, so Zehnich weiter.

Sorgt Apothekengesetz für Schwung am Markt?

Gespannt blickt der Bank-Manager auf das Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken (VOASG). Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) traut den Apothekern – im Gegensatz zur ärztlichen Auffassung – viel zu: Gegen Grippe impfen, Medikationsanalyse, Medikationsmanagement und das Erfassen von Gesundheitsparametern wie Blutdruck, Blutzucker, Cholesterinwerten könnten Aufgaben auch der Apotheker werden.

Das VOASG könnte „Existenzgründern signalisieren, welche Möglichkeiten sie haben, um die Apothekenbetriebe künftig weiterzuentwickeln und die Gesundheitsversorgung mitzugestalten“, hofft Zehnich, dass von dem VOASG ein Impuls für die Apotheker ausgeht.

Eine differenzierte Darstellung der Kaufpreise der vergangenen fünf Jahre zeigt laut Analyse, dass der Anteil der Apotheken im mittleren Preissegment tendenziell weiter zurückgeht. Die Apothekengründer fokussieren sich demnach immer stärker entweder auf Apotheken mit kleineren Umsätzen zu Kaufpreisen unter 300.000 Euro oder auf große, sehr umsatzstarke Apotheken ab 600.000 Euro.

Jede fünfte Übernahme ist ein Apothekenverbund

Mit 21 Prozent ist die Übernahme von ganzen Apothekenverbünden nach wie vor eine beliebte Option. Ähnlich wie bei der klassischen Übernahme einer Apotheke zeigt die Analyse auch hier rückläufige Investitionssummen.

So zahlten die Übernehmer im Schnitt für einen Apothekenverbund 1,03 Millionen Euro und damit deutlich weniger als in den beiden Jahren davor (2018: 1,32 Millionen Euro und 2017: 1,21 Millionen Euro).

Zuzüglich der zu übernehmenden Warenlager und weiteren Investitionen in Umbaumaßnahmen, Geschäftsausstattung oder IT betrug das Gesamtvolumen 2019 hier durchschnittlich 1,33 Millionen Euro.

Filialgründer werden jünger

Eine Spreizung ist auch beim Alter der Apotheker zu beobachten, die sich entschließen, eine Filiale zu gründen. Auf diese Art zu expandieren wird zunehmend für jüngere Apotheker interessant, der Anteil der Filialgründer unter 40 Jahren ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: von 35 Prozent im Jahr 2017 auf 54 Prozent im Jahr 2019.

Die Möglichkeit zur Geschäftserweiterung durch Filialbildung nehmen nach wie vor aber auch erfahrene Apotheker wahr. Entsprechend war gut jeder fünfte Filialgründer 50 Jahre und älter. Zum Vergleich: Das Durchschnittsalter derer, die sich erstmalig mit einer Einzelapotheke oder einem Verbund niedergelassen haben, lag unverändert bei 38,4 Jahren.

Die Auswirkungen der Pandemie auf das Gründungsgeschehen im Apothekenmarkt sieht Zehnich ähnlich wie bei den ärztlichen Praxisgründungen, für die die apoBank erst kürzlich Bilanz zog: „Ob auch die Corona-Krise den diesjährigen Apothekengründungsmarkt negativ beeinflussen wird, können wir heute noch nicht gesichert sagen. Da eine Apothekengründung aber im Regelfall eine gewisse Vorlaufzeit hat, wird sich unserer Einschätzung nach die Pandemie zumindest in diesem Jahr nur moderat auswirken.“

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