Kommentar zur Hautkrebs-Prävention am Bau

Eine Herkulesaufgabe

Der Nachwuchs am Bau und in baunahen Dienstleistungen ist für Hautkrebs-Prävention offenbar nur schwer zu erreichen.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 07.07.2020, 16:03 Uhr

Es ist wenig überraschend, dass im vergangenen Jahr bereits jede fünfte Verdachtsmeldung auf eine Berufskrankheit (BK) bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) auf die BK 5103 (Hautkrebs) entfallen ist. Zwar handelt es sich laut BG um vorläufige Zahlen, das ändert aber nichts am Trend.

Seit der Aufnahme des Hautkrebses in die offizielle Berufskrankheitenliste zum 1. Januar 2015 verzeichnet die BG BAU jedes Jahr mehr als 2500 entsprechende Verdachtsanzeigen – im vergangenen Jahr wurde jetzt erstmals die 3000er-Marke gerissen. Unter der BK 5103 subsumiert sind multiple aktinische Keratosen – Vorstufen des Plattenepithelkarzinoms – sowie das Plattenepithelkarzinom selbst.

Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) hatte bereits vor vier Jahren Alarm geschlagen. Deutschlandweite Dosimetrie-Messungen an Arbeitsplätzen im Freien hatten damals eine unerwartet hohe UV-Strahlungsexposition ergeben. Mit Verweis auf diese Daten warnte auch die Europäische Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) vor einer weiter ansteigenden Zahl beruflich bedingten Hautkrebses bei Beschäftigten, die überwiegend im Freien arbeiten.

Die Dermatologen versuchen, über die gesundheitspolitische Schiene vor allem den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, Schutzmaßnahmen gegen UV-Strahlung ihrer Mitarbeiter am Arbeitsplatz unternehmen zu müssen – auf gesetzlicher Grundlage.

Aber auch die Arbeitsmediziner verfolgen die Entwicklung am Bau mit Sorge. Die Aufmerksamkeit gilt hier vor allem den Nachwuchskräften am Bau und in den baunahen Dienstleistungen. Wie eine Umfrage der BG BAU unter Azubis ergeben hat, wissen diese zwar teilweise um die Gefahr, derer sie sich bei ihrer täglichen Arbeit vor allem im Sommer bei stundenlangem Sonnenschein aussetzen. Aber sie sind offensichtlich noch nicht mehrheitlich intrinsisch motiviert, Präventivmaßnahmen zu ergreifen. Insofern bleibt die Hautkrebs-Prävention am Bau vor allem eines – eine Herkulesaufgabe für die Arbeitsmediziner in den Reihen der BG BAU.

Schreiben Sie dem Autor: matthias.wallenfels@springer.com

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